Ulm „Liliom“, die hundert Jahre alte und doch zeitlose Darstellung einer unromantischen und sprachlosen Liebe und des Scheiterns eines Menschen noch nach dem Tod, wird am Ende der Aufführungen im Theater Ulm lang anhaltend beklatscht. Die Zuschauer des Molnár-Stücks, die die NUZ nach einer Aufführung der Studnitz-Inszenierung befragte, äußerten sich in der ganzen Bandbreite von „total begeistert“ bis ablehnend.
„Das Bühnenbild ist wie immer in letzter Zeit einfach klasse“, sagt Heike Fuchs aus Weißenhorn. „Die schauspielerische Leistung ist toll, und die Lichttechnik hat in der letzten Zeit auffällig gewonnen. Es hat mir sehr gut gefallen. Man geht ja eigentlich zum Nachdenken ins Theater, und das löst Liliom aus.“
Anders sieht das der Ulmer Ernst Schneider. „Die Handlung ist derart eigenartig, dass ich mich noch gar nicht richtig äußern kann“, sagt er beim Verlassen des Theaters. „Meine Stimmung ist aber nicht so begeistert.“
„Sehr gut“, loben Hannelore Prasse-Breuing aus Ulm und Ursula Rehme aus Dornstadt die Inszenierung. Für sie ist „Liliom“ Symbol „für nicht genutzte Chancen. Die Frauen sind doch auf diesen Mann zugegangen. Er hätte im Leben seine Chance gehabt, er hat sie nicht genutzt, und mit der Arbeit hatte er es auch nicht.“ Das abrupte Ende des Stücks kam für beide Zuschauerinnen überraschend.
„Am Ende fehlt etwas“, sagt Bernd Schwarz aus Steinheim. „Und über das sehr sparsame Bühnenbild muss ich noch nachdenken, denn an sich bin ich nicht für diesen nüchternen Stil, der auf den Bühnen derzeit wohl angesagt ist; aber ich fand das Stück sehr, sehr gut, auch von der schauspielerischen Leistung her.“
Seine Frau Sibylle Schwarz ist gerade von der Symbolkraft des Bühnenbilds begeistert. „Der Rahmen gerät immer mehr in Schieflage, parallel zum Leben Lilioms. Mit einfachen Mitteln wird hier viel ausgesagt. Und ich fand es sehr beeindruckend, wie die Spießigkeit derer, die die Notlage nicht begreifen, herausgearbeitet ist. Das Staubsauger-Geschenk kommt hier toll.“
Unzufrieden ging dagegen der Ulmer Reinhard Trautwein nach Hause. „Mir hat das überhaupt nicht gefallen. Ich fand das Stück schlecht gespielt und das Bühnenbild gewöhnungsbedürftig. Das Stück passt nicht in die heutige Zeit, damit man es akzeptieren kann. Was Molnár vielleicht sagen wollte, kommt für mich nicht heraus. Ich fand es unbefriedigend.“ (köd)
Fortsetzung „Liliom“ wieder am 25. Mai und am 1., 9., 13., 20. Juni.