Ulm Acht Jahre lang war die Kuhberghalle so etwas wie das Wohnzimmer von Mike Taylor. Am Samstag (20 Uhr) beim letzten Saisonspiel gegen die Eisbären Bremerhaven muss der geschasste Trainer der Ulmer Bundesliga-Basketballer draußen bleiben. Taylor hat de facto Hausverbot, wie sein Agent Patrick King gestern im Gespräch mit unserer Zeitung bestätigte. Es ist der vorläufige Höhepunkt in einem Konflikt zwischen Taylor und den beiden Managern Thomas Stoll und Andreas Oettel, der am vergangenen Mittwoch in der sofortigen Beurlaubung des Trainers eskalierte.
Eine Maßnahme, die viele Ulmer Fans und auch King als völlig überzogen empfinden. Der frühere deutsche Nationalspieler hat gestern mehrfach und vergeblich versucht, Stoll oder Oettel zu erreichen, um dem Trainer vielleicht doch noch einen anständigen und würdigen Abschied von der Mannschaft und den Zuschauern zu ermöglichen. Taylor wird also heute zu Hause bleiben, um sich selber und seinen vielen Freunden das peinliche und durchaus vorstellbare Szenario zu ersparen, dass er von Ordnern aus der Halle gewiesen wird.
Patrick King bestätigt ansonsten Taylors Darstellung der letztlich gescheiterten Vertragsverhandlungen. Demnach hätte sich der Trainer tatsächlich zunächst eine längere Laufzeit gewünscht. Ende der vergangenen Woche aber war Taylor dann bereit, wie vom Management gewünscht, einen Vertrag über ein Jahr plus einer Option auf ein weiteres Jahr zu unterschreiben. „Man war sich einig“, sagt King. Am Montag wurde dem Trainer plötzlich eröffnet, dass er in Ulm gar nicht mehr erwünscht ist. Taylors Agent nimmt dem Management noch nicht mal diesen kurzfristigen Sinneswandel an sich wirklich krumm: „Es ist ja in Ordnung, wenn man sich möglicherweise auch auf Druck von Sponsoren etwas anderes überlegt. Aber dann sollte man es so darstellen, wie es tatsächlich war.“
Zwei Tage später gab Taylor bei der Pressekonferenz zum Spiel gegen Bremerhaven seinen baldigen Abschied bekannt, wenige Stunden danach folgte die sofortige Beurlaubung. Die Begründung: Es gebe eine Vereinbarung, wonach die Trennung von Management und Trainer gemeinsam verkündet wird. King dementiert diese Behauptung: „Das hätten die Ulmer vielleicht gerne so gehabt, aber verabredet war das nie.“ Vielmehr hätte Stoll sich selber eine Indiskretion geleistet, als er telefonisch Spielmacher Per Günther informierte, bevor Taylor selber mit der Mannschaft sprechen konnte.
Mike Taylor besucht Anfang Mai das Final-Turnier der Euro-League in Barcelona, fliegt Mitte des Monats nach Hause in die USA und wird ab Juli für wenige Wochen als Assistenztrainer der tschechischen Nationalmannschaft aushelfen.