Ulm An den Protesten gegen die Freistellung von Mike Taylor drei Tage vor dem letzten Saisonspiel beteiligte sich auch Olatunde Adekola. Der Vertreter des geschassten Cheftrainers der Ulmer Basketballer schaute sich am Samstag das Treiben der Mannschaft gegen Bremerhaven drei Viertel lang eher teilnahmslos und desinteressiert an. Dann holte sich „Tunde“ sein erstes technisches Foul ab, drei Minuten nach Beginn des letzten Spielabschnitts das zweite. Ein paar Schritte auf das Spielfeld, ein militärischer Gruß an das Publikum und der US-Nigerianer ward nicht mehr gesehen in der Halle. Alle Beobachter waren sich einig: Das war Absicht und ein Zeichen der Solidarität mit seinem bisherigen Chef. „Damit wollte er Taylor ein Denkmal setzen“, kommentierte ein Zuschauer.
Völlig unvorbereitet hat die Aktion von Adekola die Ulmer wohl nicht getroffen. Rainer Bauer stand Gewehr bei Fuß und sprang für die letzten sieben Minuten ein. „Es gab schon einen Grund dafür, dass ich überhaupt auf der Bank saß“, sagte hinterher der Trainer der Ulmer Nachwuchsmannschaft.
Das Spiel als solches und das Ergebnis gerieten an diesem Abend zur Nebensache. Erfreulich für die Ulmer, dass die Mannschaft trotz der auch für sie ganz schwierigen Situation eine professionelle Einstellung an den Tag legte und zum Abschluss dieser Bundesliga-Saison eine akzeptable Leistung ablieferte. Die Gäste aus dem hohen Norden sicherten sich ihrerseits mit dem 102:92 (52:52)-Sieg am Kuhberg auf den letzten Drücker noch die Teilnahme an den Play-offs.
Die Fans feuerten die an Taylors unwürdigem Abschied natürlich unschuldige Mannschaft artig an, aber diskutiert wurde auf den Rängen nicht über Punkte und Rebounds, sondern in erster Linie über die Ausbootung des beliebten Amerikaners nach achtjähriger Amtszeit. Auf einem großen, und vielen kleinen Transparenten, protestierte der Ulmer Anhang weniger gegen die Trennung vom Trainer an sich, als vielmehr gegen die plötzliche Freistellung, die ihm keine Chance auf einen anständigen Abschied ließ.
Das Ulmer Management hatte wenige Stunden vor Spielbeginn noch in der Halle und im Internet eine ausführliche schriftliche Stellungnahme verbreiten lassen, in der Thomas Stoll und Andreas Oettel ihre Entscheidung begründen. „Das Vertrauen sank in den letzten beiden Jahren kontinuierlich. Die Ergebnisse stimmten schon lange nicht mehr mit den internen Zielen überein“, heißt es da. Dass Taylor schließlich in der vergangenen Woche gegenüber Journalisten die bevorstehende Trennung verkündete, sei „ein Verstoß gegen seine Vertragspflichten, der dem Ansehen unseres Klubs massiv geschadet hat.“ Außerdem ist in dem Schreiben die Rede von einer „gewollten und geplanten Provokation“.
In der Halle gab es von Oettel und Stoll dann keine weiteren Stellungnahmen und auch Interviews waren kaum zu bekommen. Das Pfeifkonzert der Fans und die Buhrufe holte sich stellvertretend Geschäftsführer Dr. Karl-Heinz Emmert vom Hauptsponsor Ratiopharm ab, der vor dem Spiel in einer öffentlichen Ansprache Verständnis für die Entscheidung des Managements signalisierte.
Auch wenn Taylor selber das letzte Spiel seiner Mannschaft nicht mehr gesehen hat, so war der Samstag trotzdem ein Tag des Abschieds. Olatunde Adekola wird natürlich ebenfalls nicht zurückkehren und wenig überraschend hat der zuletzt kaum mehr eingesetzte Travis Walton inzwischen auf seiner Facebook-Seite verkündet, dass er Ulm verlässt.
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