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Neuburg: 70 Asylbewerber demonstrieren gegen Zustände der Unterkunft

Neuburg

70 Asylbewerber demonstrieren gegen Zustände der Unterkunft

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    Asylbewerber protestierten gegen die Zustände in der Neuburger Gemeinschaftsunterkunft.
    Asylbewerber protestierten gegen die Zustände in der Neuburger Gemeinschaftsunterkunft. Foto: Norbnert Eibel

    Sie skandierten Parolen wie „Stop Deportation“ und „We are here and we will fight, freedom of human is everybody’s right“ und zogen von der Gemeinschaftsunterkunft am Lassigny-Gelände über die Donauwörther Straße zum Landratsamt. Rund 70 Asylbewerber demonstrierten gestern gegen ihre Unterbringung im Lager und die Flüchtlingspolitik im Freistaat. Polizeikräfte sicherten den Marsch ab.

    Auf dem Platz der Deutschen Einheit formulierte ein Sprecher die Forderungen der Demonstranten. Für Passanten gab’s Flugblätter mit der deutschen und englischen Version. Man nehme die Situation in der völlig überbelegten GU nicht mehr länger hin, so die zentrale Forderung der Flüchtlinge. Das Leben im Lager sei organisiert wie in einem Gefängnis. Es sei unerträglich, wie 500 Erwachsene und über 100 Kinder dort auf engstem Raum zusammenleben müssten. Ein Raum sei mit vier bis fünf Personen belegt. Dort werde geschlafen, gelebt und gekocht. Das führe immer wieder zu Unfällen. Kinder hätten sich mit kochend heißem Wasser verbrüht. Einige Fotos dokumentierten dies.

    Kritisiert wurden auch die mangelhafte Versorgung mit gebrauchter Kleidung, schlechte Arbeitsbedingungen, eine eingeschränkte medizinische Versorgung und Bewegungsfreiheit. Der Zorn der Demonstranten richtete sich konkret gegen angebliche Bevormundungen durch die Ausländerbehörde des Landratsamtes. Andere Kreisverwaltungen würden mit Flüchtlingen weniger rigide umgehen. „Wir sehen das als Teil eines rassistischen Systems. Neuburg ist kein Platz für uns zum Leben. Wir wollen dort nicht sterben. Wir werden diesen Protest nicht stoppen, bis wir Freiheit bekommen“, lautete das Statement.

    Die Lage wird sich kaum entspannen

    Während also die, die schon da sind, mit ihrem Status hadern, wird sich die Lage kaum entspannen, wenn immer noch mehr Flüchtlingen kommen. Die Regierung von Oberbayern hat auf Grundlage der Neueingänge in der Erstaufnahmeeinrichtung in der Bayernkaserne in München eine eigene Hochrechnung aufgemacht. Über die Prognose des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) könnten im laufenden Jahr noch mehr als die erwarteten 230000 Asylanträge (2013: 127000, 2014: 203000) gestellt werden. Die Kriegswirren in Syrien, Irak und andernorts wirken sich damit unmittelbar auf die Zahl der Flüchtlinge aus. Der stellvertretende Landrat Alois Rauscher sprach am Rande der Bürgermeisterdienstbesprechung am Montag im Haus im Moos davon, dass Ende des Jahres rund ein Prozent der Bevölkerung Oberbayerns (4,43 Millionen) Flüchtlinge sein könnten. Für den Landkreis Neuburg-Schrobenhausen bedeute dies, dass über die 480 Menschen in der GU hinaus weitere 450 untergebracht werden müssen. Dies sei nur dezentral möglich.

    Rauscher appellierte in diesem Kontext an die Bürgermeister der Landkreisgemeinden, Quartiere für Asylbewerber anzubieten. „Wir brauchen Wohnraum, den der Landkreis in Zusammenarbeit mit den Gemeinden anmieten kann“, sagte Landratsamtssprecher Thomas Assenbrunner gegenüber der NR. Vor einem Mietvertrag müssen die Gebäude auf ihre Eignung geprüft werden. Eine Rolle spielen dabei Bauzustand und Sozialverträglichkeit der Objekte. Auch Freiflächen werden gesucht. Assenbrunner wollte nicht ausschließen, dass Wohncontainer aufgestellt werden.

    nimmt Herbert Müller, der Koordinator für dezentrale Unterbringung am Landratsamt, telefonisch unter 08431/57-457 entgegen.

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