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23. Juni 2010 18:50 Uhr

Aus dem Drogensumpf zum Rausch der Musik

Burgheim Die Bitte um Verzeihung liegt Tobias Ulm auf den Lippen. Er greift zur Gitarre und singt sie sich vom Herzen - in harten Rhythmen, rockigen Melodien und schonungslos offenen Texten: "Ich bitte um Vergeben, ich will jetzt anders leben (...) dafür schau ich zurück in meine Vergangenheit, ich mach's nicht nochmal, damit's vergangen bleibt."

Mit einer musikalischen Entschuldigung wartete Tobias Ulm im Rat der Marktgemeinde Burgheim auf. Der 22-Jährige hatte 2007 im Drogenrausch unter anderem die dortige Schule verwüstet. Jetzt ist er geläutert und will mit seinem Schicksal andere vor den Gefahren des Rauschgifts warnen. Foto: Barbara Würmseher
Foto: Barbara Würmseher

Das, was Tobias Ulm gemacht hat, hat im Jahr 2007 in Burgheim für ziemliches Aufsehen gesorgt. Der heute 22-Jährige ist damals im Drogenrausch zusammen mit drei weiteren Kumpanen auf Diebestour in der Marktgemeinde unterwegs gewesen, hat Privathäuser ebenso wie Vereinsheime und die Schule unsicher gemacht, um an Geld für seinen Rauschgiftkonsum zu kommen. Der Stoff hatte ihn voll im Griff und hätte ihn beinahe kaputt gemacht. "Leider hab ich viel Mist gebaut", resümiert er in Selbsterkenntnis, "bin aus Dummheit und aus Neugier auf Verbotenes im Drogensumpf gelandet." Die Quittung dafür hat er vom Amtsgericht Neuburg bekommen, das ihn zu drei Jahren Gefängnis verurteilt hat.

Zwei von ihnen hat Tobias abgesessen. Es war eine Zeit der Einsamkeit, Isolation und des Entzugs, die ihm die Augen geöffnet hat. Eine Zeit, die er genutzt, ein anderer Mensch zu werden. "Ich hab in der JVA Herrenwörth meine Lehre zum Metallbauer abgeschlossen", schildert er seinen Werdegang, "und ich bin mit Musik in Berührung gekommen." Eines Abends hat er - eingeschlossen in seine Zelle - am offenen Fenster gesessen und gesungen. "Ein Mithäftling zwei Fenster weiter hat zu mir rübergerufen: 'Hey, Ulm, bist du das, der so schwul singt? Jetzt komm, sing mal was vor'." Und Tobias Ulm sang und war der "Coole".

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Anstaltspfarrer Christian Anton wurde auf das Talent des Burgheimers aufmerksam und förderte ihn. Als Mitglied der "Knastband" durfte er Gottesdienste mitgestalten, erst auf dem Keyboard, später mit der Gitarre, deren Griffe er sich autodidaktisch aneignete. Musik ist für Tobias seitdem zur Ersatzdroge geworden - zu einer wunderbaren Droge, berauschend, beglückend und völlig legal. Rund 20 Lieder hat er bislang komponiert und getextet. Er besingt seine Liebe zu seiner Mutter, das Auf und Ab im Leben und seinen Weg zu sich selbst.

Heute ist er wieder in Burgheim unterwegs - diesmal nicht auf Beutezug, sondern auf Entschuldigungs-Tour. "In der Schule war ich schon und auch im Gemeinderat, um zu sagen dass es mir Leid tut." Tobias hat sich dort Respekt verschafft. "Er hat den Mut, sich zu stellen", erkennt Bürgermeister Albin Kaufmann an, "das zeigt Stärke und ich rechne ihm das hoch an."

Nun hat Tobias den Wunsch, etwas für diese Gesellschaft zu tun, die er einmal geschädigt hat. Er will sich in die Jugendarbeit vor Ort einbringen. Nicht, um zu belehren, sondern um auf die Gefahren von Drogen aufmerksam zu machen. "Vielleicht helfen meine leidvollen Erfahrungen anderen, einzusehen, dass Drogen Scheiße sind..."

Info unter www.tobiasulm.com

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