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Psychische Erkrankungen: Ausgebrannt

Psychische Erkrankungen

Ausgebrannt

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    Wenn der Druck und der Stress am Arbeitsplatz zu groß werden, gehen immer mehr Menschen in psychiatrische Behandlung. Die Zahl der Frühverrentungen ist in den vergangenen Jahren in der Region um 25 Prozent gestiegen, bayernweit um 30 Prozent.
    Wenn der Druck und der Stress am Arbeitsplatz zu groß werden, gehen immer mehr Menschen in psychiatrische Behandlung. Die Zahl der Frühverrentungen ist in den vergangenen Jahren in der Region um 25 Prozent gestiegen, bayernweit um 30 Prozent. Foto: Archivbild: dpa

    Ingolstadt Die Zahl ist erschreckend: In der Region ist laut einer Studie der Techniker Krankenkasse (TK), die sich auf Zahlen der Rentenversicherung beruft, die Zahl der Menschen, die wegen einer psychischen Erkrankung in Frührente gehen, um 25 Prozent gestiegen – und das innerhalb von fünf Jahren.

    Mussten deshalb 2005 noch 274 Arbeitnehmer vorzeitig in Rente gehen, waren es im vergangenen Jahr bereits 342. Betroffen sind mehr Frauen (192) als Männer (150). Nur bei Suchterkrankungen ist das Verhältnis umgekehrt: Zwei Drittel davon sind Männer. Insgesamt sind 38 Prozent aller Frührenten psychisch bedingt. Fünf Jahre zuvor lag der Prozentsatz bei 32. Allerdings, muss Stephan Mayer von der TK einschränken, hat sich seitdem rechtlich einiges geändert. Während vor fünf Jahren noch mancher erkrankte Mitarbeiter womöglich eine Vorruhestandsregelung nutzen konnte, kommt heute nur eine Frühverrentung infrage – und treibt damit die statistischen Zahlen nach oben.

    Doch der Anstieg ist da und Dr. Andreas Schuld kann ihn gut nachvollziehen (siehe Interview). Der Arzt behandelt pro Jahr rund 1500 Patienten, die an sogenannten affektiven Störungen wie Depressionen leiden. Rund zwei Drittel davon, schätzt er, stehen mitten im Beruf.

    Es sind Menschen, die plötzlich nicht mehr können: Sie können sich nicht mehr konzentrieren, leiden an Schlafstörungen, haben keinen Appetit mehr, grübeln pausenlos über die Arbeit nach. Mittlerweile hat sich für diese Symptome der Begriff Burn-out etabliert.

    Die Therapie geschieht in enger Zusammenarbeit mit den Unternehmen. Und die, sagt Schuld, hätten mittlerweile eine Menge getan, gerade in der Prävention psychischer Erkrankungen. Audi setzt mit seinem Programm „Arbeit und psychische Gesundheit“ genau an diesem Punkt an. Mitarbeiter und Vorgesetzte sollen für das Thema sensibilisiert werden; unter anderem bietet das Klinikum eine Sprechstunde bei Audi an. Für Firmen werden ältere Mitarbeiter aufgrund des demografischen Wandels immer wichtiger, gleichzeitig steigt aber mit dem Alter das Risiko für eine Depression, erklärt Andreas Schuld. Laut der Techniker Krankenkasse ist ein Angestellter bei Beginn der Frührente rund 50 Jahre alt.

    Zahlen der AOK untermauern, dass psychische Erkrankungen in Ingolstadt immer mehr zunehmen. Waren bayernweit im vergangenen Jahr neun Prozent aller Ausfalltage darauf zurückzuführen, waren es in Ingolstadt 9,8 Prozent.

    Eine leicht gegenläufige Tendenz hat dagegen die Audi BKK ausgemacht. Sie hat die beiden ersten Halbjahre 2010 und 2011 verglichen und herausgefunden, dass die Zahl der Patienten in der Region, die wegen psychischer Erkrankungen mindestens sechs Wochen lang krankgeschrieben waren, heuer um 7,4 Prozent abgenommen hat. Die Zahl der kürzer Erkrankten ist nach Auskunft eines Sprechers zwar leicht angestiegen, aber die Dauer der Krankschreibung ist insgesamt zurückgegangen. Über Gründe kann auch er nur spekulieren. Womöglich liegt es an der guten Arbeitsmarktsituation.

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