Der Angeklagte ist klein, schmächtig, wirkt unscheinbar. Und doch steht der 22-Jährige wegen einer äußerst brutalen Tat vor Gericht: Im April hatte er seine Freundin nach vier Jahren Beziehung vergewaltigt, hinter dem Volksfestplatz in Lenting. Danach zerrte er sie ins Auto und griff ihr bei voller Fahrt ins Lenkrad. Sein Ziel: Die 21-Jährige sollte einen Unfall bauen und sich dabei noch verletzen. Der Mann hat gestern beim Prozessauftakt über seinen Anwalt Thomas Wittmann ein volles Geständnis abgelegt.
Die Beziehung war drei Wochen zuvor in die Brüche gegangen
Drei Wochen war die Beziehung bereits vorbei, als der Werkzeugmechaniker an jenem Sonntagabend seiner Ex-Freundin noch ein paar Kleidungsstücke vorbeibringen wollte. Und angeblich noch mal mit ihr reden wollte. Mit dem Auto fuhren sie in die Nähe des Lentinger Volksfestplatzes. Mit den Worten „Weißt Du, was krass ist?“ packte der Mann seine Ex und zerrte sie an den Haaren aus dem Fahrzeug. Ihre Hand, mit der sie noch ein Pfefferspray aus der Seitenablage fischen konnte, schlug er so lange gegen den Boden, bis sie die Dose ausließ. Dann zog er die junge Frau in ein Gebüsch und vergewaltigte sie. Aus purer Angst vor weiteren Gewaltausbrüchen wagte die Frau nicht, sich zu wehren.
Dann zwang der Angeklagte seine ehemalige Freundin wieder ins Auto, nahm ihr Handy und Autoschlüssel ab. Zwischen Kösching und Desching drängte er sie ans Steuer. Bei voller Fahrt löste er ihren Gurt und griff ihr dann ins Lenkrad. Die Frau konnte noch abbremsen, sodass der Unfall ohne Verletzungen ausging. Das Auto landete im Graben und blieb im Sumpf stecken.
"Sorry, hatte einen Autounfall."
Wenig später schrieb die Frau einer Freundin, mit der sie verabredet war, eine SMS: „Sorry, hatte einen Autounfall. Komme wahrscheinlich nicht mehr.“ Doch einige Zeit später stand die 21-Jährige völlig aufgelöst, verheult und mit Verletzungen im Gesicht vor der Tür der Freundin. Sie sagte kaum etwas. Nur, dass es mit ihrem Ex-Freund zu tun habe. Die Freundin rief die Polizei, auch wenn sich die 21-Jährige „mit Händen und Füßen“ dagegen gewehrt habe. „Der bringt mich sonst um“, stammelte sie immer wieder. Und dann erzählte sie von der Vergewaltigung.
Die Entschuldigung, die der Angeklagte gestern vor dem Landgericht über seinen Anwalt ausrichten ließ, konnte das Opfer nicht hören. Die Frau war nicht zur Verhandlung erschienen. Nach Auskunft ihres Anwalts Andreas Schieferbein „geht es ihr relativ gut“. Sie habe einen starken familiären Rückhalt und benötigte bislang keine Therapie.
Noch im Gerichtssaal übergab Thomas Wittmann 5000 Euro Schmerzensgeld an Andreas Schieferbein. Außerdem muss der Angeklagte die Verfahrenskosten zahlen und noch alte Schulden begleichen. Das sind insgesamt noch mal rund 10000 Euro. Ein Urteil wird morgen erwartet.