Neuburg „Bis Donnerstag dann“, sagte Petra F. mit einem Lächeln, als sie sich Dienstagmittag von ihren Arbeitskolleginnen verabschiedete. Seitdem sind über zwei Monate vergangen. Die 44-Jährige kam nicht wieder. Vorgestern wurde ihr toter Körper aus der Donau gezogen.
Ihre Arbeitskleidung hängt in der kleinen Bäckerei in Obereichstätt noch am Haken. Sorgfältig hatte Petra F. ihren Kittel und die Stofftasche mit einer Schürze und einem Waschlappen darin, aufgehängt, als sie an jenem 1. März mit der Arbeit fertig war. „Wir haben alles so gelassen, wie es war“, erzählt ihre Chefin, Helga Margraf. „Wir haben ja immer gehofft, dass sie wiederkommt.“ Doch tief im Inneren hätten sie und ihr Mann sofort gewusst, dass etwas Schlimmes passiert sein musste. „Die Petra war immer zuverlässig und pünktlich“, sagt Thomas Margraf.
An jenem Donnerstagmorgen hätte Petra F. um 2 Uhr in der Bäckerei anfangen sollen. Seit November vergangenen Jahres arbeitete sie dort. „Normalerweise war sie immer schon zwischen halb und dreiviertel da“, erzählt ihr Chef. Als sie aber nach 2 Uhr immer noch nicht da war, rief Thomas Margraf bei der Familie zu Hause an: „Ich habe es in jener Nacht bestimmt 20 Mal probiert, aber es ging immer nur der Anrufbeantworter an.“
Margraf wurde misstrauisch, schickte eine Kollegin, die in der Nähe wohnt, am Haus in Wellheim vorbei. „Da ist niemand“, war ihre Antwort, als sie in der Bäckerei ankam. Daraufhin informierte Margraf ihre Schwiegereltern. Doch die konnten und wollten nicht an ein Verbrechen glauben. „Die kommen schon wieder“, habe die Mutter von Werner F. Thomas Margraf am Telefon beruhigt, „wir wollen doch am Samstag zusammen ins Holz fahren.“ Erst als die Eltern am Montag noch immer kein Lebenszeichen der beiden erhalten hatten, gingen sie zur Polizei.
Seitdem machen die Kollegen in der kleinen Dorfbäckerei, die auch Lebensmittel verkauft, die Arbeit von Petra F. mit. „Wir haben uns noch keinen Ersatz gesucht“, sagt Helga Margraf. In der vierten Generation führen sie und ihr Mann den Laden in dem idyllischen Örtchen bei Eichstätt.
„Petra wollte sich verändern“, erzählt die Inhaberin. 20 Jahre habe die gebürtige Baringerin in einer Bäckerei in Rennertshofen gearbeitet. Als bei den Margrafs eine Stelle frei wurde, wechselte sie. „Sie war eine Perle“, sagt Thomas Margraf. Eine tüchtige Konditorin. Petra F. machte ihr Job Spaß, ihr Selbstbewusstsein wuchs, wie die Kollegen feststellten. Dass ihr „neues“ Leben ein so abruptes Ende nehmen würde, ahnte niemand.
An ihrem Wohnhaus sind die Rollläden zur Hälfte heruntergelassen, Spitzengardinen schirmen den Blick nach innen ab. Blumen oder Kerzen, die Freunde oder Bekannte in solchen Fällen oft ablegen, sucht man hier vergebens. Der gepflasterte Hof liegt verlassen da, nur ein Mistelzweig hängt neben der Haustür. Die Tat ist in dem kleinen Örtchen im Altmühltal das einzige Gesprächsthema. Die Familie war hier so gut wie jedem bekannt. „Schlimm, gell!“, sagt eine Nachbarin, „aber man kann in die Menschen eben nicht reinschauen.“