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Abschied: Der Mann mit der Fliege macht die Fliege

Abschied

Der Mann mit der Fliege macht die Fliege

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    Der Mann mit der Fliege macht die Fliege
    Der Mann mit der Fliege macht die Fliege

    Neuburg Für Dr. Ivo Henrichs geht es in den Endspurt: Am 31. Juli verlässt der Ärztliche Direktor nach 18 Jahren die Kinderklinik St. Elisabeth. Weinende Augen gibt es bei den Mitarbeitern, die den dienstältesten Chefarzt des Hauses noch nicht im Ruhestand sehen möchten. Und Wehmut spricht auch aus Dr. Henrichs selbst, der mit Leidenschaft für seine Patienten da ist, mit großer Fachkompetenz und mit weitsichtiger Planung für das Neuburger Haus. Als Gast der Redaktion hat er sich mit der NR über seine Dienstzeit unterhalten.

    Sentimentalität lässt Henrichs in diesem Gespräch nicht zu. Natürlich freue er sich darüber, bald mehr Herr seiner Zeit zu sein. Natürlich gebe es Interessen, die dann mehr zum Zug kommen, wie etwa das Musizieren mit Posaune, Cello, Akkordeon, Gitarre und Flöte. Und da sei ja auch Ehefrau Magdalena, die gebürtige Hamburgerin, mit der er dann öfter die Elbmetropole besuchen wolle. Und die Kinder Cordula, Clemens, Claudius, Caecilia gehören ebenfalls zu seinen Plänen für den Ruhestand. Natürlich – denn all das, was Ivo Henrichs vorschwebt, schwebt so oder ähnlich allen Beinahe-Rentnern vor.

    Doch meint man, zwischen den Worten auch Melancholie herauszuhören. Denn Henrichs, der in der Vergangenheit die Weichen für St. Elisabeth so entscheidend mit gestellt hat, wird dort in Zukunft nicht mehr mit dabei sein.

    Markante Entwicklungen hat es gegeben in jenen 18 Jahren, seit der gebürtige Rheinländer nach Studium, Forschungsprojekten und seiner Oberarztstelle an der Uni-Klinik Ulm in Neuburg sesshaft geworden ist. Was ist für Henrichs selbst die bedeutendste? – „Unsere Außenstelle in Ingolstadt, die Kooperation mit dem Klinikum und der Ausbau der Neugeborenenmedizin in der Region.“ Dieses Perinatalzentrum ist für Henrichs uneingeschränkt ein „Erfolgsmodell“, das ergänzt wird durch weitere Kooperationen: die Allgemeinstation für Kinder im Klinikum und die Notfallambulanz bei GOIN.

    Auch die Kinder- und Jugendpsychiatrie in St. Elisabeth – bereits angestoßen von Henrichs’ Vorgänger Professor Sachtleben – ist eine revolutionäre Einrichtung. Die ambulanten und stationären Abteilungen haben sich dann in Henrichs’ Ära etabliert. „Psychisch kranke Kinder gibt es leider immer mehr.“

    Auch baulich ist das Kinderkrankenhaus nicht stehen geblieben. Vor 50 Jahren eingeweiht, war es einst mit sieben Stockwerken Neuburgs erstes Hochhaus. Die wichtige Erkenntnis, „dass wir Eltern und ihre kranken Kinder nicht trennen dürfen“ hat wiederholt räumliche Anpassung erfordert. Als notwendige und gute Entscheidungen bewertet der scheidende Chefarzt auch die Installation des Kinderplaneten, die Orientierung hin zur Palliativmedizin und die Einrichtung Elisa. Mit all dem sieht Henrichs die Kinderklinik Neuburg unter allen 33 in Bayern bestens aufgestellt.

    Ivo Henrichs ist aber nicht nur der Arzt, der weiß, warum Körper und Seele im medizinischen Sinne manchmal nicht funktionieren. Er ist mit einem Humor gesegnet, der die Patienten zum Lachen bringt. Er ist Spaßvogel, der sich auch mal bei den Klinikclowns „unters Messer“ legt. Er ist eine gute Seele des Hauses, verehrt und anerkannt.

    Und er ist der Mann mit der Fliege. Der Binder am Hemdkragen ist zum Markenzeichen geworden. Er besitzt Fliegen in großer Anzahl und allen Variationen. „Sogar eine Holzfliege ist dabei, mit der könnte ich auch schwimmen gehen“, amüsiert sich Henrichs über seine persönliche Note, die eine einfache Erklärung hat: „Schlipse sind immer im Weg.“ Die Fliege hängt Ivo Henrichs sicher nicht an den Nagel, wohl aber den weißen Kittel. Oder vielleicht doch nicht ganz? „Da ist etwas in Planung“, deutet Henrichs an, der sich im Ruhestand ein kleines, ambulantes Hintertürchen offen lassen will.

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