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08. Juni 2010 04:47 Uhr

Der kleine Goldrausch an der Donau

Ingolstadt Der Goldsucher von heute trägt Anzug und Krawatte. Oder Jeans und Pulli. Oder vielleicht Schlafanzug und Pantoffeln. Dann nämlich, wenn er nachts um 2 Uhr auf die Suche nach Gold geht. Im Internet. Der Goldsucher von heute will immer noch sein Glück mit dem Edelmetall machen. Früher war es die pure Armut, die die Männer auf waghalsige Expeditionen trieb, heute ist es mitunter die Furcht vor dem Ärmerwerden, die Menschen irgendwann auf Internet-Seiten wie goldfox.de landen lässt. Von Luzia RIedhammer

Der Ingolstädter Michael Männer ist Geschäftsführer dieser Internet-Plattform, die sich auf den Handel mit Edelmetallen spezialisiert hat. Wer bei Michael Männer Gold und Silber sucht, der hat die Auswahl: Krügerrand, Maple Leaf oder vielleicht doch lieber Wiener Philharmoniker? Männers Geschäft boomt.

Die Angst vor einer Inflation treibt viele seiner Kunden um. Griechenland und die Euro-Krise haben die Anleger verunsichert. Und so sind die Bestellzahlen in den vergangenen Wochen "explosionsartig" nach oben geschnellt. Anfragen im fünfstelligen Bereich hatte er seitdem, verrät Männer. Einen Engpass bei Münzen und Barren gebe es trotzdem nicht, aber, so heißt es auf seiner Homepage, "aufgrund der derzeitigen Finanzkrise und des hohen Bestellaufkommens sind Lieferverzögerungen möglich".

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Wer sich vor zehn Jahren eine Unze Gold kaufen wollte, der musste gerade mal gut 270 Dollar hinblättern. Heute wird die gleiche Menge mit gut 1200 Dollar gehandelt.

Trotz der Preisexplosion: Michael Männer glaubt, dass "Gold und Silber noch viel teurer werden könnten". Schließlich wisse niemand, wann die Krise zu Ende ist. Hält sie noch weiter an, dann wird die Gold-Kurve auch in den nächsten Wochen, Monaten oder gar Jahren steil nach oben steigen.

Ralf Berg hat diese Kurve immer vor sich. Auf dem Computer in seinem Büro blinken "The Latest Gold News". Er ist Geschäftsführer von "Exclusive Berg Collections" und Tag ein, Tag aus, von viel Gold umgeben. Doppelt so viele Kunden fragen jetzt nach Barren oder Münzen, erzählt der Ingolstädter.

Doch auch viele wollen jetzt die Gunst der Stunde nutzen und altes Gold zu Geld machen, so um die 300 sind es im Monat. Ist das Goldkettchen abgerissen oder der zweite Ohrring spurlos verschwunden, dann kommen sie zu Ralf Berg. Der nimmt den Schmuck genau unter die Lupe. Für ein goldenes Armband sind durchaus gut 120 Euro drin. Der Kurs ändert sich täglich. Es sind überwiegend nicht die Menschen, hat Berg festgestellt, die dringend Geld brauchen. Sondern Menschen, die mit dem Schmuck nichts mehr anfangen können. Manche wollen auch gar kein Geld. Sie tauschen dann altes Gold gegen neuen Goldschmuck - da ist auch der Wechselkurs nochmal günstiger.

Bei der Sparkasse Ingolstadt dagegen ist Gold immer noch eher ein Randthema. Die Nachfrage ist zwar merklich gestiegen, so Jörg Tiedt vom Marketing, doch der tatsächliche Verkauf ist nur minimal nach oben gegangen. Gold solle schließlich nur eine "Beimischung" sein, so Tiedt, außerdem müsse es zur jeweiligen Anlagestrategie passen. "Man muss das Thema eher rational als emotional sehen", rät Tiedt. Wegen der allgemeinen Nachfrage nach Gold gibt es allerdings auch bei der Sparkasse längere Lieferzeiten. Waren es bislang zwei bis drei Tage, so vergehen jetzt schon rund zwei Wochen, bis da Gold bereit liegt. Doch anstatt in Edelmetalle investieren viele Ingolstädter lieber in Immobilien. "Betongold", sagt Tiedt, ist viel kalkulierbarer.

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