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Kabarett: Deutschland sucht den Grauen Star

Kabarett

Deutschland sucht den Grauen Star

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    Schreckenberger als Angela Merkel.  
    Schreckenberger als Angela Merkel.   Foto: Michael Geyer

    Gleich die erste Gelegenheit zum Seitenhieb packte er am Schopf: Das Kabarett habe sich verändert, stellte er angesichts der schwülen Temperatur im Tennisheim fest. Event-Kabarett sei „in“, mal mit Wein und Häppchen, in Rennertshofen mit der neuen Spielart „Sauna-Kabarett“. Nur die Handtücher fehlten, dabei wären die für den weiteren Abend praktisch gewesen, denn das Publikum lachte Tränen.

    Die erste Breitseite feuerte Schreckenberger auf den „Übergang zur aktiven Sterbehilfe“ ab, der im Deutschen Fernsehen von Florian Silbereisen, dem „Duracell-Häschen der guten Laune“ als „Volksmusik“ für die über 50-Jährigen geboten wird, die normalerweise schon getrennt von ihren Zähnen schlafen und im Rhythmus ihrer Herzschrittmacher fleißig mitschunkeln. Das saß ebenso wie der Stich ins Herz der unnötigen Serien mit den „Güllecasanovas“, der „Einrichtungsdominatine“ oder den Promisendungen, bei denen er sich den blinden Stevie Wonder beim Promi-Messerwerfen auf Oliver Pocher und Dieter Bohlen wünschte.

    Doch es sollte noch besser kommen, als sich Schreckenberger die Politiker vorknöpfte: Christian Wulff, habe ihn stets an seinen Opa erinnert, denn der habe behauptet, im Krieg nur immer in die Luft geschossen zu haben – als Flakschütze. Die Freien Wähler – „schon der Begriff ließe Franz Josef Strauß im Grab rotieren“ – bekamen samt ihrem „zukünftigen, ehemaligen Vorsitzenden“ besonders ihr Fett ab. „Der Gelbe Sack wird abgeschafft“ und „Die Tonne kommt“ habe er gelesen und als Rückzug Westerwelles und Ersatz durch SPD-Mann Siegmar Gabriel interpretiert.

    Schreckenbergers stärkste Seite waren seine Parodien – perfekt in Mimik, Gestik und Tonfall. Wenn Merkel, Schröder, Kohl, Pofalla, Beck und Schäuble auf dem Jakobsweg pilgern, kann es vorkommen, dass Honnecker und Frau Margot eine zweite Chance erhalten. Mit beißendem Spott und scharfen Spitzen gespickt, flink und zupackend erwies sich Schreckenberger bei seinem Bericht „Live aus Rom“: Franz Beckenbauer, Dieter Bohlen, Herbert Grönemeyer, Karl Lagerfeld, Winfried Kretschmann und Papst Benedikt im Dialog, bei dem sich der „Kaiser“ nicht vorstellen kann, als Kandidat bei der Papstsuche mit seiner künftigen Rolle als „Stellvertreter“ zufrieden zu sein.

    „In 700 Jahren wird man den letzten Deutschen zu Grabe tragen“, verkündete der Kabarettist und malte eine düstere Szenerie von Deutschlands Zukunft. Das Fernsehen werde sich verändern und Sendungen wie „Deutschland sucht den Grauen Star“, „Gutes Beißen, schlechtes Beißen“ oder „Deutschlands schönste Friedhöfe“ bringen. Trotz toller Angebote wie „Knigge für Dreijährige“ und politisch korrekter Kindergartenspiele „Streichle den Lukas“ und „Sehtest für Milchvieh“ (Blinde Kuh) lasse das Interesse an Kindern nach.

    Die Eltern ließen sogar am Samstag die Kinder zur Obhut bei Ikea, weil sie es dank der Rund-um-die-Uhr-Betreuung nicht mehr anders gewöhnt seien. Und zum Märchenerzählen brauche man Karl Lagerfeld, der „Des Kaisers neue Kleider“ zum Besten gebe, weil der Nachwuchs mit einem Buch nichts mehr anfangen könne, weil das „nicht blättere“, obwohl er doch mit dem Finger über den Einband wie bei seinem Smartphone gestrichen habe. Da bleibt nur noch eins: „Gute Nacht, Deutschland! Wir haben uns verdient!“

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