Gemessen an den jährlichen Investitionssummen könnte mancher Stadtbaumeister auch der großen deutschen Kommunen neidisch werden, wenn er einen Blick auf die Bauvorhaben von Audi nur am Standort Ingolstadt wirft. Gut 200 Millionen Euro werden dort allein heuer investiert.
Aktuell laufen mindestens 15 Großprojekte gleichzeitig
Der „Stadtbaumeister“ von Audi ist Huber Koller. Der gebürtige Vohburger denkt nur in den ganz großen Größen. Mindestens 15 Großprojekte meistern er und seine Abteilung mit etwa 95 Mitarbeitern am Standort Ingolstadt allein in diesem Jahr. Wobei Koller alles als Großprojekt einstuft, was mehr als fünf bis zehn Millionen Euro kostet. Die zahlreichen Einzelmaßnahmen unter dieser Grenze spielen für ihn keine bedeutende Rolle. Und das aus gutem Grund, denn der 55-Jährige ist für die Werksplanung an allen Standorten zuständig. Er muss also auch die Erweiterungskonzepte für Neckarsulm, Brüssel oder Györ stets vor dem geistigen Auge haben. Und die Abläufe in den ausgegliederten Abteilungen dort, wo noch einmal rund 50 Mitarbeiter fieberhaft bemüht sind, alle baulichen Voraussetzungen für das Audi-Zukunftsprojekt 2020 zu realisieren. 700 bis 900 Millionen Euro wird der Konzern in den kommenden Jahren allein in Baumaßnahmen am Mutterstandort investieren. Dazu zählt auch das neue Präsentationsforum in Neuburg, für das die Bauvorbereitungen angelaufen sind. Spatenstich ist kommendes Jahr.
Ein spektakuläres Gebäude, was die Architektur wie auch die Infrastruktur anbelangt, entsteht derzeit bei der Technischen Entwicklung. Das neue „Simultaneous Engineering“ (SE)-Forum wird das Herzstück der Weiterentwicklung. Es bekommt acht Etagen und wird einmal rund 450 Mitarbeiter beherbergen, die optimale Kommunikationsmöglichkeiten und eine bis ins Detail ausgereizte Vernetzung zur Verfügung stehen haben werden. Außerdem wird es eine eigene Bibliothek geben, die übrigens allen Mitarbeitern des Werks zur Verfügung stehen wird. Auf zwei Untergeschossen verteilt entsteht eine neue Rechenzentrale. Nur dort werden die Daten der Entwickler und Ingenieure einmal gerechnet und archiviert werden. Der neue „Hochsicherheitstrakt“ kostet etwa 70 Millionen Euro und wird Mitte 2012 fertig sein.
Viele Baumaßnahmen, wie Parkhäuser oder der kurz vor der Fertigstellung stehende Karrosseriebau für den A3, laufen von Außenstehenden meist völlig unbemerkt ab. Auch von außen gut zu erkennen ist hingegen die neue Großbaustelle beim Audi Forum: Dort entsteht ein Mobilitätszentrum, das vorrangig für die Selbstabholer errichtet wird. Bis zu 300 Kunden täglich holen in Spitzenzeiten ihren Neuwagen direkt vor dem Werkstor ab und sprengen damit alle Kapazitäten. Das Mobilitätszentrum ermöglicht aber auch viele Optimierungen, beispielsweise bei der Fahrzeugbereitstellung und bei der Reduzierung von internen Fahrzeugbewegungen. Außerdem werden in dem repräsentativen Neubau (Kostenpunkt: 45 Millionen Euro) Werkschutz, Wache und Sanitätsdienst neue Kapazitäten bekommen. Fertigstellung ist im Dezember 2012.
Bis dahin werden „Werksbaumeister“ Huber Koller und seine Mannschaft aber noch zahlreiche andere Projekte am Standort Ingolstadt realisieren oder beginnen. Einige sind noch Verschlusssache, weil sie erst auf Konzernebene endgültig abgesegnet werden müssen. Aber das Allermeiste dürfte realisiert werden. Audi auch als Motor der Bauwirtschaft in der Region bleibt also bis in nahe Zukunft kräftig auf Touren.