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Fundbüro: Die Zeit ist abgelaufen

Fundbüro

Die Zeit ist abgelaufen

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    Was länger als ein halbes Jahr liegen bleibt und der Finder nicht möchte, darf von der Stadt versteigert werden. Dieses Jahr sind auch ein paar teure Uhren zu haben. Etwa 1500 Gegenstände werden pro Jahr im Fundbüro abgegeben.
    Was länger als ein halbes Jahr liegen bleibt und der Finder nicht möchte, darf von der Stadt versteigert werden. Dieses Jahr sind auch ein paar teure Uhren zu haben. Etwa 1500 Gegenstände werden pro Jahr im Fundbüro abgegeben. Foto: Stefan Küpper

    Ingolstadt An und für sich ist es ja eine sehr schöne Sache, wenn etwas Verlorenes wiedergefunden wird und ein nachlässiger Mensch, den schmerzlich vermissten Gegenstand dann am Amt abholen kommt. Auch für Gertrud Platzer. Seit zehn Jahren schon ist sie zuständig im Fundbüro der Stadt Ingolstadt. Und sie hatte Schönes erlebt, dort wo sie sitzt, an der Schnittstelle zwischen Besitz und Verlust, Eingang Rathaus, Empfang direkt links. Doch dann kam dieser ältere Herr.

    Er sprach ein wenig undeutlich, denn er hatte sein Gebiss verloren. Kann passieren, nichts Menschliches ist hier fremd. Und tatsächlich lag ja in der Kammer hinter ihr eine Schachtel mit der expliziten Neon-Aufschrift „Vorsicht Gebiss“. Ein findiger Mensch hatte es auf einer Parkbank entdeckt, zurückgebracht. Wie so viele hatte der ältere Herr Glück gehabt und war glücklich. So sehr, dass er das Gebiss direkt wieder auf seine unteren Kauleisten packte. Ungereinigt. Für Frau Platzer war der Tag gelaufen: „Das war grauslig.“

    Nun werden Gebisse eher selten abgegeben. Auf der Liste mit den 60 Sachen, die auf dem Rathausplatz am Samstag versteigert werden, sind jedenfalls keine Ersatzzähne. Dafür aber beispielsweise drei sehr wertvolle Uhren. Originalwert: mehrere tausend Euro.

    Wie seit zehn Jahren schon, wird auch in diesem Jahr alles schnell weggehen. Da ist Gertrud Platzer sicher. Der höchste Preis, der je erzielt wurde, waren 700 Euro für ein Fahrrad. Das Interesse ist jedes Jahr groß. Manche kämen, schauten erst, gingen dann schnell zur Bank, um etwas später als neuer Besitzer von etwas Unverhofftem weiter zu ziehen. Das kann das „Faschingskostüm, Modell „Biene Maja“, das Frotteenachthemd Gr. 48/50 oder ein i-pod sein. Vor Jahren stand auch schon Mal eine Madonnenstatue in der Kammer.

    Natürlich wird es am Samstag das Erwartbare geben. Laptops (mit geräumter Festplatte, des Datenschutzes wegen), Fahrräder, Klamotten (neue Hemden etwa, an der Kasse vergessen, nie wieder abgeholt), Taschen. Der Stahlschrank im Bürgeramt ist gut gefüllt. Handys dürfen nicht versteigert werden, auch des Datenschutzes wegen. Auch Schmuck wird nicht versteigert, sondern eingeschmolzen. Das lohnt sich mehr als Versteigern. Der Stadtkasse hat es im vergangenen Jahr etwa 1200 Euro gebracht. „Ein gutes Jahr“, sagt Platzer.

    Auch deshalb, weil die Ingolstädter „sehr ehrlich“ seien, wie sie sagt. Da werden 500 Euro genauso wie 50 Cent Stücke vorbeigebracht. An Barem kämen jeden Monat schon ein paar Hundert Euro zusammen. Vielleicht auch deshalb, weil es das Delikt der „Fundunterschlagung“ gibt. Bei Gebissen ist die Versuchung vermutlich nicht ganz so groß. Selbst bei zehn Prozent Finderlohn.

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