Porada zählt in Sekunden auf, welche weltweiten Krisen und Ereignisse in den vergangenen Jahrzehnten zu Wanderungs- und Flüchtlingsströmen geführt haben, auch nach Neuburg: Fall der Mauer, Zerfall der Sowjetunion, Jugoslawienkrieg, Krieg in Afghanistan. "Die große Weltpolitik merken wir hier ganz konkret in den Klassenzimmern", sagt er. Denn die Kinder der Menschen, die aus dem Ausland nach Neuburg kommen, landen erst an der Hauptschule. Genau hier stehen sie dann vor dem 58-Jährigen.
Porada arbeitet schon seit 1977 in der Neuburger Hauptschule, von 1993 bis 1997 als Konrektor. Vor drei Jahre wechselte er in dieser Funktion an die Hauptschule Karlskron. Jetzt ist er wieder da und freut sich auf die Zeit als Schulleiter in dem Gebäude, das im so vertraut ist, in dem er jeden Schrank kennt, wie er sagt.
"Ich habe schon Schüler aus den unterschiedlichsten Ländern der Welt unterricht und stelle immer wieder fest: Wir können sie alle integrieren!" Natürlich habe auch die Neuburger Hauptschule mit Problemen zu kämpfen. Manche schwer beschulbaren Kinder verabschieden sich auch hier ohne Abschluss. "Wir sind aber keine Brennpunktschule, wie sie die Medien gerne zeigen", meint Porada. Die Abbrecherquote liegt mit weit unter fünf Prozent noch unter dem bayerischen Schnitt. Das liegt dem neuen Schulleiter zufolge auch an den engagierten Lehrern: "Wir haben hier sehr starke Persönlichkeiten, die sich für ihre Schüler einsetzen." Doch auch die Neuburger Hauptschule ist im Umbruch: Sie ist zur Mittelschule im Schulverbund Neuburg-Rennertshofen umfunktioniert worden. Dazu muss die Schule dem Trend der Ganztagesbetreuung Rechnung tragen.
Die Gesellschaft verändere sich und der Bedarf an einer stärker umsorgenden Bildungsstätte sei nun mal vorhanden, erklärt Porada. "Der Lehrerberuf endet nicht mehr um 13 Uhr." In dem Schuljahr möchte der Rektor die Eltern befragen, ob sich eine Betreuung für die achten und neunten Klassen lohnt. Die jüngeren Schüler werden bereits am Nachmittag unterrichtet, erhalten Förderunterricht oder können andere Aktivitäten wählen.
Auch wenn die Betreuung den ganzen Tag über aufwendiger für die Schule und teurer für den Staat ist, Porada sieht keine Alternative dazu. Ihm liegt die gute Ausbildung der Nichtakademiker am Herzen: "Wenn wir den Jugendlichen gemeinsam mit den Berufsschulen dazu verhelfen, eine Meisterprüfung zu bestehen oder qualifizierte Ausbildungsberufe zu finden, dann bin ich absolut zufrieden." Daran werde er weiter arbeiten, auch jetzt als Schulleiter.