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Illuminaten: Dinner mit dem Geheimbund

Illuminaten

Dinner mit dem Geheimbund

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    Michael Klarner schlüpft in die Rolle von Adam Weishaupt. Beim „Illiminaten-Dinner“ taucht man ein in die Zeit des Geheimbundes, der einst von Ingolstadt aus sein Netzwerk durch ganz Europa und weiter in die Welt knüpfte.
    Michael Klarner schlüpft in die Rolle von Adam Weishaupt. Beim „Illiminaten-Dinner“ taucht man ein in die Zeit des Geheimbundes, der einst von Ingolstadt aus sein Netzwerk durch ganz Europa und weiter in die Welt knüpfte. Foto: Fotos: Linder/NR

    Ingolstadt Frankenstein war gestern, heute ist er Adam Weishaupt: Michael Klarner, der Urheber der seit Jahren erfolgreichen Erlebnis-Stadtführung „Dr. Frankensteins Mystery Tour“, schlüpft in die Rolle des legendären Gründers des Illuminatenordens.

    Die meisten denken bei den Illuminaten an Dan Brown, großes Kino und Verschwörungstheorien. Wo wäre es nahe liegender, ein bisschen Licht ins Dunkel der Geschichte dieses Geheimbundes zu bringen, als in Ingolstadt. Denn hier wurden die Illuminaten schließlich am 1. Mai 1776 gegründet.

    Abschied vor versammelter Tischgesellschaft

    Adam Weishaupt hat sich in das Hinterzimmer des Altstadt-Hotels Rappensberger zurückgezogen, und ist heute Abend schon ein bisschen nervös. Denn die unbeschwerten Zeiten seines Ordens sind vorbei, die Illuminaten-Verfolgung in Bayern hat längst begonnen und schon bald bleibt dem Mann mit hehren Idealen nichts übrig, als Ingolstadt endgültig zu verlassen. Deshalb sichert sich Weishaupt alias Michael Klarner in historischem Gewand vor der versammelten Tischgesellschaft auch erst einmal ab und schließt mögliche Spione von vornherein aus. Den Gästen wird die kostümierte Geschichtsvermittlung mit einem Sektempfang und nicht weniger als vier vorzüglichen Gängen schmackhaft gemacht.

    Nach der Frankenstein-Tour kamen die Illuminaten

    Das Illuminaten-Dinner gibt es seit 2009. Es ist die jüngste Erfindung der kreativen Köpfe um Michael Klarner, der sich in Ingolstadt nicht nur durch die Frankenstein-Tour einen Namen gemacht hat, sondern auch als langjähriger Chef des lokalen Fernsehsenders intv. Kürzlich ist Klarner ins Presseamt der Stadt gewechselt. Zwischen seinem Beruf und den Rollen als Frankenstein und Co. macht er einen klaren Unterschied: „Das ist ein reines Hobby“, sagt der 36-Jährige.

    Geheimbund als touristisches Alleinstellungsmerkmal

    Allerdings eines, das ihm sehr am Herzen liegt. Denn Ingolstadt hat notorisch ein Problem, Kapital aus seinen historischen Trümpfen zu schlagen. Sei es das in Ingolstadt erlassene Reinheitsgebot oder eben die Illuminaten: Touristisch sind diese Alleinstellungsmerkmale noch lange nicht breitenwirksam erschlossen. Dass das aber geht, hat Klarner mit seiner immer noch heiß begehrten Frankenstein-Tour bewiesen, die seit 1995 den Touristen nachts Angst und Schrecken einjagt in der Altstadt. Die Illuminaten einmal ganz groß herauszubringen, war da nur eine Frage der Zeit.

    Am 21. Mai hält Weishaupt schon zum fünften Mal das Illuminaten-Dinner. Klarner steht ganz zeitgemäß mit weißer Perücke und Pferdeschwanz vor der langen und stimmungsvoll mit Kerzenlicht erhellten Tafel. Die Erzählungen aus der Zeit des ausgehenden 18. Jahrhunderts mischen sich mit Spielszenen, wenn etwa „Bruder Zensus“ einen Gast zu sich holt und ein schauriges Initiationsritual mit ihm veranstaltet. So wird die Geschichte der Illuminaten lebendig. Denn tatsächlich gab es bei diesem Geheimbund viele Rituale, weiß Klarner. Im Interview erzählt er, dass die Verfolgung der Illuminaten erst losging, als ein interner Streit dazu führte, dass ehemalige Mitglieder die „Erleuchteten“ bei der Obrigkeit anzeigten. Das gipfelte schließlich 1785 mit dem Verbot in ganz Bayern.

    Klarner weiß natürlich von den Verschwörungstheorien über den Bund, die mittlerweile ganze Bücher füllen und Internet-Blogs in Atem halten. Das Illuminaten-Dinner konzentriert sich aber auf die historischen Fakten von der Gründung und schnellen Ausbreitung bis hin zu so prominenten Mitgliedern wie dem niedersächsischen Adligen Adolph Freiherr Knigge, Herder und Goethe.

    Bis zu 15 Prozent der entscheidenden Stellen in Bayerns Regierung, Verwaltung oder in Kirchen waren damals laut Klarner mit Illuminaten besetzt. Letztlich sei das Ziel eine gewaltfreie Revolution gewesen.

    Das Illuminaten-Dinner richtet sich in erster Linie an geschichtsinteressierte Menschen, die sich für die Fakten der Zeit interessieren. Der Abend ist zwar eine Kostümveranstaltung, aber keine zum Schenkelklopfen, sondern der Versuch, die geschichtlichen Hintergründe verständlich zu vermitteln. Erhellendes zum rasanten Wachstum, denn innere Strukturen und Streitigkeiten stehen im Mittelpunkt.

    Die Legenden ziehen noch heute die Menschen in ihren Bann

    Das alles schließt freilich Unterhaltung und Scherze an der einen und anderen Stelle des Abends keinesfalls aus. Ein bisschen Wehmut kommt ebenfalls auf. Denn es ist der letzte Abend vor der Flucht des Adam Weishaupt - und damit der erste Tag seiner Legendenschreibung, die bis heute weltweit Menschen in ihren Bann zieht.

    Das nächste Dinner findet am 21. Mai um 19.30 Uhr im Hotel Rappensberger statt. Kartenvorverkauf im Hotel in der Harderstraße 3.

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