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Grüne: Ein CSU-Mann bei den Grünen

Grüne

Ein CSU-Mann bei den Grünen

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    Wilhelm Schlötterer und Agnes Krumwiede beim Aschermittwoch im Ingolstädter Diagonal.
    Wilhelm Schlötterer und Agnes Krumwiede beim Aschermittwoch im Ingolstädter Diagonal. Foto: Foto: Volker Linder

    Ingolstadt Dieses Zusammentreffen ist schon etwas ungewöhnlich. Am Aschermittwoch kommen anderswo Parteitreue zusammen, um ihren Politikern zu lauschen, wie sie über die anderen Politiker herziehen. Doch nicht so bei den Grünen in Ingolstadt. Hier erledigte gestern ein treues CSU-Mitglied die Aufgabe, den jahrzehntelangen Filz unter führenden CSU-Politikern an den Pranger zu stellen.

    Wilhelm Schlötterer ist mit seinem Bestseller-Enthüllungsbuch „Macht und Missbrauch“ zu Gast in der Altstadtkneipe Diagonal. Es freue ihn ganz besonders, seine etwa 90. Lesung in Ingolstadt zu halten, sagt der 71-Jährige mit Blick auf die Heimat des amtierenden Ministerpräsidenten. Horst Seehofer sei nicht zum Hauptbahnhof gekommen, um ihn abzuholen, scherzt er und erzählt, dass Seehofer nach Erscheinen seines Buches die Order herausgegeben habe, darüber zu schweigen. Schlötterer: „Und es wird geschwiegen.“

    Schlötterer ist deshalb so interessant, weil er nicht nur seit 30 Jahren treues CSU-Mitglied ist und auch nicht daran denkt, aus der Partei auszutreten. Der gebürtige Regensburger hat außerdem in Jura promoviert und war ab 1968 in der bayerischen Finanzverwaltung tätig.

    Als Referatsleiter im Münchner Finanzministerium hat er hautnah die Verstrickung hoher CSU-Politiker in Korruption miterlebt. Er berichtet von Anfeindungen und wiederholten Disziplinarverfahren gegen ihn.

    Die sind zwar alle ins Leere gelaufen, zeigen aber, dass ein ehrlicher und gesetzestreuer Beamter es schwer hatte unter Strauß, Streibl und Stoiber. Dass es gegen alle im Buch offen gelegten Machenschaften bis heute kein Dementi gebe, das spreche für sich, so Schlötterer.

    Die Grüne-Bundestagsabgeordnete Agnes Krumwiede schlug in ihrer Einführung den Bogen zu Guttenberg. Offenbar gebe es bei den Christsozialen einen Verhaltenskodex, der da laute: „Wenn jemand von uns Dreck am Stecken hat, dann kehren wir den unter den CSU-Teppich. Und wer öffentlich darüber spricht, ist ein Nestbeschmutzer.“

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