Neuburg Thomas Woerle will nicht mehr. Er hat vorerst genug von dem Leben, wie es im Moment für ihn läuft. Einige private wie berufliche Enttäuschungen haben einen Plan in ihm reifen lassen, den er gestern schließlich in die Tat umsetzte. Er sattelte seinen Hengst Liam und kehrte Neuburg, seiner Familie und seinen Freunden den Rücken. Sein Ziel ist Santiago de Compostela, das Ende eines jeden Jakobsweges. Rund 2500 Kilometer ist der Weg lang, der Woerle durch Deutschland, Frankreich und Spanien führen wird. Wann er an seinem Ziel sein und, ob man ihn jemals wieder in Neuburg sehen wird, das weiß der 52-Jährige nicht. Er hat seine Wohnung aufgegeben, sein Auto verkauft. Bis jetzt plant er eine Reise ohne Wiederkehr.
Gesundheitliche Probleme gaben den Anstoß
Ein gesundheitlicher Einbruch war es, der bei Thomas Woerle den letzten Anstoß gegeben hat, die langgehegte Idee schließlich in die Tat umzusetzen. Eigentlich hatte er mit seiner Freundin den Jakobsweg gemeinsam hinunterreiten wollen. Die Beziehung ging allerdings in die Brüche. Kein Hindernis für Woerle: „Ich hab mir einfach gesagt, das ziehst du jetzt einfach durch“, erzählt er. Schließlich seien Wohnung und Arbeit schon gekündigt gewesen.
Persönlich hat er, so sagt er, einiges durchstehen müssen. Sein Vorhaben allerdings sieht Woerle unter einem positiven Stern: „Der Sonne entgegen“, sagt er. Einmal, weil es in Spanien wirklich wärmer und sonniger ist als in Deutschland. Dann aber auch wegen der inneren Sonne. Thomas Woerle möchte besseren Zeiten entgegen reiten.
Sein einziger Gefährte ist der 15-jährige Hengst Liam, der schon fast sein gesamtes Leben zu dem 52-Jährigen gehört. Die Bindung zwischen Ross und Reiter ist eng, wie Woerle beschreibt: „Wir kommunizieren ohne Worte. Ich habe ihm ein paarmal gesagt, was wir vorhaben und ich denke, er kann sich einigermaßen vorstellen, dass es ein langer Ausritt wird“, erzählt Woerle. Rund 20 Kilometer will er täglich schaffen, wahrscheinlich bis zum Herbst wird das Duo brauchen, bis es in Santiago de Compostela angekommen ist. „Manche Leute sagen, dass man 30 oder 40 Kilometer am Tag reiten kann. Aber das will ich Liam nicht zumuten“, meint der 52-Jährige. Deswegen laufe die Planung, was die Zeit betrifft, nur über den Daumen gepeilt. Was nämlich auf dem Weg alles passieren kann, könne niemand mit einkalkulieren.
Thomas Woerle reist nur mit dem nötigsten Gepäck, weil er Liam nicht viel auflasten möchte. Eine Zeltplane, ein Schlafsack, Waschzeug, einen Satz Wechselklamotten, zwei Handys, ein minimaler Medizinkoffer, Landkarten, Ausweis, Tee und Hufwerkzeug, mehr nimmt er nicht mit. Solange er sich auf deutschem Boden befindet, wird es mit der Unterkunft nicht schwer, sagt Woerle. „Das Netz der Reitstationen ist bei uns gut.“ Ab Frankreich würde die Sache dann aber anders aussehen. „Aber zur Not kampiere ich unter freiem Himmel.“
Von Neuburg aus geht es erstmal nach Augsburg und von da an immer westwärts. Thomas Woerle will nicht den direkten Weg der Jakobswege nehmen, sondern diese immer kreuzen.