„Ein freiwilliges Verschwinden der beiden ist eher unwahrscheinlich.“ Das sagte Ingolstadts Kripo-Chef Alfred Grob gestern zum Vermisstenfall Fischer aus Wellheim. Die Eheleute sind seit einem Monat spurlos verschwunden.
Der Fall spielt in das Stadtgebiet Neuburg hinein, denn Petra Fischer (44) stammt aus Bergen, wo sie auch aufgewachsen ist. Auch dort wurden in den vergangenen Wochen Angehörige von der Kripo teils intensiv befragt – ebenso wie 100 andere Personen. Ergebnis: Nichts.
Gestern gab die Kripo in Ingolstadt eine große Pressekonferenz. Der Fall wurde inzwischen auf das gesamte Schengen-Gebiet ausgeweitet. Die Suche läuft somit inzwischen vom Nordkap bis Sizilien und von Frankreichs Atlantikküste bis zum Bosporus. Die Polizei schließt nicht mehr aus, dass ein Verbrechen im Hintergrund stehen könnte. Konkrete Hinweise oder gar Beweise dafür hat man allerdings nicht. Es gibt eben keine Spur.
Wie mehrfach berichtet, sind die Eheleute in der Nacht zum 3. März verschwunden. Werner Fischer (45) kam wie immer von der Spätschicht bei Audi heim. Um zwei Uhr morgens sollte die Ehefrau wie immer zur Arbeit in einer Bäckerei in Obereichstätt. Als sie nicht erschien, rief die besorgte Chefin um 2.10 Uhr mehrfach bei den Fischers in Wellheim an. Niemand hob den Hörer ab. Und das ist besonders mysteriös, denn die Eheleute müssten sich zu diesem Zeitpunkt noch in ihrem Einfamilienhaus aufgehalten haben. Denn ein Nachbar hörte um 3 Uhr Geräusche und dann, wie der Dieselmotor des zum Campingmobil umgebauten Toyota-Geländewagens der Fischers gestartet wurde. Etwa fünf Minuten lief der Motor. Das war ungewöhnlich, denn sonst ließen die Fischers den Wagen nie warmlaufen. Dann fuhr jemand mit dem Auto weg – allerdings nicht, ohne nach der Ausfahrt aus dem Grundstück eine Sperrkette wieder fein säuberlich vorzuhängen. Das deutet wiederum darauf hin, dass die Eheleute selbst am Steuer saßen, denn sie sind als äußerst korrekt und sehr strukturiert bekannt.
Eben aus dem Grund ergeben sich jetzt viele Hinweise auf ein unfreiwilliges Verschwinden. Noch nie sind die beiden unentschuldigt von der Arbeit fern geblieben. Und auch im Haus deutet nichts auf eine längere Reise hin. Ganz im Gegenteil: Personalausweise und Reisepässe sowie die EC-Karte von Petra Fischer blieben neben vielen anderen Dokumenten zurück und auch der Kühlschrank war voll.
Das Haus wurde inzwischen mehrfach auf den Kopf gestellt. Es gibt keine merkwürdigen Hinweise und auch keine Spuren, die auf eine Gewalteinwirkung irgendwelcher Art schließen lassen. „Wir stehen vor vielen Rätseln und können nur noch hoffen, dass wir einen Hinweis aus der Bevölkerung bekommen“, sagt Kripo-Chef Alfred Grob.