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Bericht aus Japan: Erdbeben überrascht Ingolstädterin mitten in Tokio

Bericht aus Japan

Erdbeben überrascht Ingolstädterin mitten in Tokio

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    Das ist auch Japan. Das Beben hat im Haus der Ingolstädterin Chaos hinterlassen.
    Das ist auch Japan. Das Beben hat im Haus der Ingolstädterin Chaos hinterlassen. Foto: Olma

    Als die Erde bebte in Tokio, hatte sich der strahlende Himmel plötzlich verdunkelt. „Als würde es zu regnen beginnen“, erzählt Christine Olma. Doch statt des Regens kam ein verheerendes Beben, dessen Ausmaße sich wohl erst in den kommenden Wochen und Monaten erahnen lassen.

    Die Ingolstädter Fotografin, die seit November in Tokio lebt, war nachmittags um halb drei gerade beim Physiotherapeuten mitten in Tokios Szene- und Geschäftsviertel Shibuya. Zum Glück, sagt sie, nur im vierten Stock. Da ruckelte die Erde, wie so oft in Japan. Doch das Ruckeln, die Erschütterungen, sie hörten nicht bald wieder auf wie sonst. „Es wurde immer schlimmer“, erzählt Christine Olma. Etwa zehn Personen, schätzt sie, waren in der Praxis, „und die hatten richtig Angst“. Dieses Beben, das war bald klar, hatte diesmal eine andere Qualität: „Mir haben richtig die Knie geschlottert.“

    Alles stürmte raus auf die Straßen, jeder blickte angsterfüllt hoch zu den schwankenden Hochhäusern. Dann ging das Chaos auf den Straßen los. Die Bahnen wurden sofort gestoppt, die Busse, die fuhren, waren heillos überfüllt, ein Taxi war nicht mehr zu bekommen. Mehr als drei Stunden war die 39-Jährige zu Fuß unterwegs nach Hause in den von Fußgängern und Autos verstopften Straßenschluchten der Stadt. Auf dem Weg traf sie eine deutsche Familie, die seit sechs Jahren in Japan lebt. Die meinte: „So etwas haben wir noch nie erlebt.“ Viele Läden hatten nach dem Beben geschlossen, und wo geöffnet war, war Essbares ausverkauft: Die Leute, glaubt Christine Olma, mussten sich rüsten für ihren langen Fußweg nach Hause. Viele brauchen schon mit der U-Bahn eineinhalb Stunden von der Arbeit nach Hause.

    In der Hauptstadt war von Panik keine Spur

    Von Panik war in dem ganzen Chaos allerdings keine Spur, alles „recht entspannt“, beschreibt die Ingolstädterin die Situation. Die Büros wurden zwar geräumt, aber so mancher japanische Arbeiter hat nur kurze Zeit später schon wieder einen Lastwagen abgeräumt, ein Maler stand auf der Leiter und hat weitergepinselt.

    Von Verwüstungen ist Tokio scheinbar weitgehend verschont geblieben. Auch das Haus, in dem Christine Olma mit ihrem Mann lebt, hat die Naturkatastrophe unbeschadet überstanden. In Japan weiß man um die Gefahr von Erdbeben, und sorgt daher vor. Das Holzhaus ist so konstruiert, dass es Schwankungen ausgleichen kann. Doch im Inneren hatte das Beben gewütet. Geschirr ist aus dem Schrank gefallen, der Computer ist kaputt, Bilder sind von den Wänden gesprungen und zersplittert.

    Im Notfallrucksack stecken Pass und warme Kleidung

    Wieder zu Hause, hat sich Christine Olma als erstes einen Notfallrucksack gepackt für den Fall, dass das Schlimmste noch nicht überstanden ist: Taschenlampe, Verbandszeug, Telefonnummern, Pass und warme Kleidung.

    Davon, was sich im Rest des Landes tut, bekommt sie kaum etwas mit. Nur kurz hat sie an einer U-Bahn-Station Fernsehbilder der Katastrophe gesehen. Vom Atomalarm, von den Toten und Verletzten, haben ihr Freunde und Familie aus Deutschland erzählt. Dann, wenn das Telefonnetz einmal funktionierte. Auch die Internetverbindung war weitgehend lahmgelegt. Gas gibt es nicht mehr im Haus, aus der Leitung kommt nur noch kaltes Wasser. Wenigstens der Strom funktionierte am Abend nach dem Beben einwandfrei. Doch die Erde ruckelte auch viele Stunden nach den großen Beben immer noch.

    Bald will Christine Olma ein Erdbebentraining absolvieren, das die japanische Feuerwehr anbietet. Schon lange hatte sie es sich vorgenommen.

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