Die Ehekirchener hatten es wieder einmal so richtig drauf. Mussten sie auch. Denn wenn die Gemeinde mit ihren 15 Ortsteilen zum traditionellen Hochzeitsfest mit dem vom Heimatverein inszenierten Festumzug lädt, dann sind die Erwartungen der von überall herbeiströmenden Besucher hoch. Von Manfred Reichl



Die Ehekirchener hatten es wieder einmal so richtig drauf. Mussten sie auch. Denn wenn die Gemeinde mit ihren 15 Ortsteilen zum traditionellen Hochzeitsfest mit dem vom Heimatverein inszenierten Festumzug lädt, dann sind die Erwartungen der von überall herbeiströmenden Besucher hoch.
Tausende Schaulustige waren es, die sich am gestrigen Sonntagnachmittag bei weiß-blauem Himmel entlang der Straßen zu amüsieren und zu begeistern wussten. Vor ihren Augen spielte sich eine großartige Leistung einer erkennbar intakten Dorfgemeinschaft ab. Doch irgendwie ist es ja auch eine Ehre, in einem Festzug mitmachen zu dürfen, der unter dem Motto "Leben wia's frühers war auf dem Land" das Leben der Bauern und die Handwerkszünfte längst vergangener Zeiten lebendig werden lässt.
Wer Sinn hatte für das Althergebrachte, der konnte eintauchen in jene Zeit, als das Getreide noch mit der Sense gemäht, die Garben von Hand gebunden und die Kornmandl zum Trocknen aufgestellt wurden, die Bäuerin auf dem Schemel sitzend die Kühe molk, sich das Butterfass per Hand drehte, der Schmied die Pferde beschlug und die Kartoffeln mit dem Häufelpflug aus der Erde geholt wurden.
Rund 800 Mitwirkende beim Umzug
800 Mitwirkende, fünf Musikkapellen, etliche Pferde-, Ochsen- und Kuhgespanne und rund 30 Fußgruppen gaben dem Umzug eine faszinierende nostalgische Note. Mit viel Liebe zum Detail hatten sich die Festzugteilnehmer ausstaffiert, hatten ihre Wagen geschmückt und so den Zuschauern eines auf dem Lande um die Jahrhundertwende kargen, bäuerlichen Lebens vermittelt. Einer Darstellung zufolge schien es die hartnäckigen Diskussionen im Gemeinderat damals schon gegeben zu haben. Auch die Kutschen, in denen die Honoratioren wie Bürgermeister und Pfarrherr Platz nehmen durften, waren zumindest den älteren Bürgern noch bekannt.
Gänzlich ausgestorben ist die (Un)sitte, der zufolge die Schulkinder von Fräulein Schulmeister Tatzen bekamen, sofern sie während des Unterrichtes unaufmerksam oder gar frech waren. Und auch der Bauernstammtisch in den Gasthäusern, an dem früher kein Knecht und keine Magd hatten Platz nehmen dürfen, ist längst passé. Ob Kuhgespann, Milliwagen, Gsodschneider, Torfstecher, Dreschmaschine, Hopfenzupfer oder Kartoffelanbau - all diese Darstellungen verdeutlichten, dass die Plagerei groß und der Lohn karg war. Die Brotzeiten nahmen sich einstmals wohl auch kaum so üppig aus wie beim Ehekirchener Festumzug.
Kirchenwächter und Waschweiber
Bodenständiges Handwerk zeigten die Sattler und Wagner, die Maurer und Zimmerer sowie der Schmied. Der Schrannenwagen war ebenso unterwegs wie der Mistschlitten und der Planwagen, auf dem die Pfannenflicker, Scherenschleifer und Rechenmacher durch die Lande zogen. Der Kirchenwächter erinnerte daran, dass er während des Sonntagsgottesdienstes das Dorf vor Überfällen zu bewachen hatte.
Den Weg der Wäsche vom Waschen bis zum Bügeln zeigten die Waschweiber auf. Auf einem Heuwagen türmte sich das getrocknete Gras. Spannend wurde es, als mit viel Gebimmel die Feuerwehr mit ihrem antiquarischen Spritzenwagen im Laufschritt daherkam und gleich vorneweg auf dem klapprigen Fahrrad der Feuermelder mit Alarmtrompete.
Das größte Aufsehen erregte allerdings die Bierhochzeit und damit die Vermählung von Gerstenbraut und Hopfenbräutigam. Unter einer Getreidekrone stellten heuer Julia Gastl und Julius Hermann den symbolischen Akt der Vereinigung von Hopfen und Gerste zum bayerischen Nationalgetränk dar. Gleich dahinter hatten sich adrette Brautjungfern und die Hochzeitsgäste im "schenen Gwand" formiert, ehe der Zug mit dem mit antiquarischem Mobiliar herausgeputzten Kammerwagen sein nostalgisches Ende fand. Manfred Reichl
|
|
Artikel kommentieren
| Artikel bewerten: