Der Deutsche Gewerkschaftsbund demonstriert gegen Ausbeutung. Von Peter Skodawessely

Ingolstadt Bevor gestern die Teilnehmer des am Brückenkopf gestarteten DGB-Demonstrationszugs zu ihrem Ziel, dem Schanzer Paradeplatz, gelangen konnten, mussten sie sich – natürlich nur gespielt – den Weg dorthin „freiboxen“. Kurz vorher nämlich hatte, am Ende der Ludwigstraße, die Gewerkschaftsjugend eine „Mauer“ mit ihren Wünschen für die Zukunft errichtet: Gegen Ausbeutung, gegen Zerschlagung von Tarifverträgen, gegen Hartz-IV-Gesetze, gegen Kinder- und Altersarmut, gegen Studiengebühren, gegen Rassismus, gegen Kapitalismus, für Mindestlöhne, für unbefristete Übernahmen, für Bildung. Vor den mehr als 1000 Besuchern der Kundgebung präzisierte anschließend Julia Bronauer, die Vorsitzende der hiesigen DGB-Jugend, die Forderungen: „Gute Arbeit für Europa - Gerechte Löhne und soziale Sicherheit, das Motto der diesjährigen Kundgebungen zum 1. Mai, sind selbstverständlich ebenfalls unsere Ansprüche für die Zukunft.“ Wichtig ist für sie und ihre Kollegen, dass die Zugänge zu den Bildungsmöglichkeiten unabhängig vom „Geldbeutel“ der Eltern bleiben sollen.
Zuvor hatte Bernhard Stiedl, Ingolstädter DGB-Stadtverbandsvorsitzender und Zweiter Bevollmächtigter der hiesigen IG Metall scharfe Worte an Politiker und Arbeitgeber gerichtet: „Während in 21 Ländern Europas schon Mindestlöhne gelten, wird hierzulande darüber eine hysterische Diskussion geführt.“ Sie werde bestritten von denjenigen, die an den niedrigen Einkommen verdienen, sowie von Wissenschaftlern und Vereinigungen, die sie ideell unterstützen.
IG-Metall-Ingolstadt-Chef, Johann Horn, stellte anschließend unmissverständlich klar, dass die Gewerkschaften den gesetzlichen flächendeckenden Mindestlohn von 8,50 Euro unbedingt wollen: „Und zwar jetzt.“
Als Hauptredner sprach Jürgen Wechsler, der bayerische IG-Metall-Bezirksleiter: Noch an den Folgen einer Stimmbänder-Operation leidend, verteidigte er die Forderungen seiner Gewerkschaft in der momentanen Tarifauseinandersetzung: 6,5 Prozent mehr Geld und 65 Euro mehr Ausbildungsvergütung, unbefristete Übernahme sowie Mitbestimmung bei der Leiharbeit seien „machbar“. Wechsler gestern: „Wir wollen damit jetzt einen Kurswechsel in der Arbeitswelt herbeiführen.“
Vor – als einzigem Parlamentarier – MdL Achim Werner und Alt-OB Peter Schnell, Ehrenbürger der Stadt und IG-Metall-Ikone Fritz Böhm ließ Stadtoberhaupt Alfred Lehmann in seinem Grußwort Verständnis für die Wünsche der Gewerkschafter durchklingen: Über die Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen hinaus gelte es für eine Kommune aber auch, die Voraussetzung dafür zu schaffen, dass jemand überhaupt eine Arbeit aufnehmen kann: „Das heißt in erster Linie, die Bildungschancen für alle zu verbessern.“ Eine weitere wichtige Voraussetzung, vor allem für Alleinverdienende, sei die Schaffung von ausreichend Betreuungsplätzen für die Kinder. Lehmann: „Auch dabei sind wir hier in Ingolstadt auf einem guten Weg.“
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