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Kritik I: Grenzgänger

Kritik I

Grenzgänger

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    Einige Moulagen Fleischmanns sind auch in der neuen Ausstellung im MKK zu sehen.
    Einige Moulagen Fleischmanns sind auch in der neuen Ausstellung im MKK zu sehen. Foto: elb

    Das Museum für Konkrete Kunst in Ingolstadt zeigt eine ganz besondere Ausstellung: „Surfaces. Adolf Fleischmann – Grenzgänger zwischen Kunst und Medizin“ lautet der Titel. Sie ist nicht nur für Mediziner, Medizinhistoriker und Kunstbegeisterte interessant, sondern auch ein schönes Beispiel für die Zusammenarbeit zweier Museen.

    Die beiden Kuratorinnen, Marion Ruisinger vom Deutschen Medizinhistorischen Museum und Simone Schimpf vom MKK, führten denn auch gemeinsam in das biografisch angelegte Ausstellungskonzept und in das Leben Adolf Fleischmanns (1892-1968) ein.

    Die sehr anschauliche Inszenierung erzählt von einem typischen Leben zwischen zwei Weltkriegen. Nach Abitur und Besuch der Kunstakademie in Stuttgart folgte Kriegsdienst, Verwundung, Flucht, Exil, Vertreibung und zuletzt Auswanderung. Dem Anspruch, den „ganzen“ Fleischmann zu zeigen, wird die sich über das ganze Haus erstreckende Ausstellung sicherlich gerecht. Neben ausführlichen biografischen Erläuterungen, zahlreichen und höchst unterschiedlichen künstlerischen Arbeiten sind auch eine große Anzahl von Moulagen – viele davon Leihgaben aus Zürich – zu sehen. Außerdem haben Besucher die Möglichkeit, von einer Schiffsreling mit Blick auf den Transatlantikliner MS Queen Elisabeth den Empfindungen eines Auswanderers nachzuspüren, sich in Fleischmanns New Yorker Wohnzimmer zu setzen oder Ausblicke auf das New York der 50er Jahre zu genießen. Auch der Besuch einer Moulagenwerkstatt ist möglich.

    Moulagen sind Abbildungen erkrankter Körperteile aus Wachs, die für medizinische Erkenntnisse oder zur Dokumentation notwendig waren. Farbfotografien gab es noch nicht. Adolf Fleischmann hat mit der Herstellung von Moulagen in Deutschland, der Schweiz und Frankreich seinen Lebensunterhalt verdient. Auch später in USA ist er einer Tätigkeit im medizinischen Bereich nachgegangen. Gleichzeitig war er immer künstlerisch schaffend. Überraschend ist die Leichtigkeit und Freiheit, die seine Arbeiten auszeichnet. Nach biografischen und künstlerischen „Wanderjahren“ findet er in seinem Spätwerk in den USA und nach seiner Rückkehr nach Deutschland zur Konkreten Kunst. Die gezeigten Arbeiten aus den 50er und 60er Jahren dokumentieren das auf sehenswerte Weise. Die Kontraste zu seiner Arbeit als Moulageur und medizinischer Zeichner sind dabei besonders spannend.

    Di bis So, 10 bis 17 Uhr, 01. 11., 24., 25. und 31. 12., 01.01. sowie 09.02.2016 geschlossen. Weitere Infos unter www.mkk-ingolstadt.de.

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