Das Reproduzieren von Fotografen-Fotos ist eine Verletzung des Urheberrechts, doch die wenigsten sind sich dessen bewusst. Eine ganze Branche leidet darunter und die Digitalisierung macht es nicht leichter Von Gloria Brems

Chris Doerfel wird immer häufiger mit illegalen Kopien von Bildern seines „Schwieger-Opas“ konfrontiert. Richard Schlüter, der Großvater seiner Ex-Frau, hat 1900 das Fotostudio Schlüter in Neuburg gegründet. Mit seiner Kamera, schwarzem Tuch über dem Kopf und Pulverblitz hielt er historische Momente der Stadt, Feierlichkeiten und oftmals auch einfach nur die Stadtkulisse im Bild fest. Rund 100 alte Glasplatten als Negativ haben Chris Doerfel und seine Frau Elfriede, die heutigen Inhaber des Fotogeschäfts, in ihrem Besitz. In den vergangenen 100 Jahren kamen immer wieder Kunden, die sich für die alten Bilder interessierten. Doch trotz Verkauf des Fotos: die Urheberrechte bleiben beim Fotografen. Wer also das Bild abfotografiert, handelt gesetzeswidrig.
„Viele Menschen sind sich dessen gar nicht bewusst“, sagt Doerfel, aber trotzdem ärgert es ihn, wie leichtfertig die alten Aufnahmen kopiert werden. „Ich will ja gar kein Geld dafür, aber es wäre schön, wenn zumindest am Rande notiert wird, dass das Bild von ’Foto Schlüter’ ist.“
Die historischen Bilder sind nicht das einzige Beispiel von Urheberrechtsverletzungen. Die Digitalisierung bringe unweigerlich eine Verschärfung des Problems mit sich, ist sich Andreas Marx sicher. Der Obermeister der Fotografeninnung Schwaben sagt: „Viele Menschen glauben, dass sie mit allem, was sie auf dem Computer haben, kostenlos machen können, was sie wollen.“ Die aktuelle politische Diskussion über das Acta-Abkommen lässt grüßen. „Gerade die junge Generation sieht das Urheberrecht anders. Aber es gibt Menschen, wie zum Beispiel Fotografen, die von ihrem geistigen Eigentum leben müssen.“ Die Entwicklungen seien inzwischen für so manches Fotostudio schon existenzgefährdend. Kommunionen zum Beispiel. Ein Profi-Fotograf wird bestellt, um von den Mädchen und Buben ein schönes Gruppenbild zu machen. Eine Mutter kauft sich einen Ausdruck und möchte das Bild aber auch in digitaler Form haben. „Und so sehen wir die Kundin und alle anderen Kommunions-Eltern nie wieder“, sagt Doerfel, denn die Abzüge lassen die meisten nicht im Foto-Studio machen, sondern beim billigeren Discounter.
Aber wie lässt sich das Problem in den Griff bekommen? Eine einfache Lösung gibt es nicht, denn vor dem Wunsch nach digitalen Bildern können sich die Fotografen nicht verschließen. „Uns bleibt nur, bei den Kunden ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass geistiges Eigentum einen Wert darstellt“, sagt Marx. Denn nachzuprüfen ist eine Urheberrechtsverletzung nur schwer. Wer hat das Bild gekauft, wer hat es reproduziert? Der zeitliche Aufwand der Recherche würde sich nicht lohnen. „Früher musste man beim Kauf eines Kassettenrekorders eine gewissen Gebühr mitbezahlen. Es wurde schon angedacht, das auch beim Verkauf von Computern so zu machen. Aber ob sich das durchsetzen lässt und ob dann auch wirklich alle vom Urheberrecht betroffenen Branchen zum Zuge kommen, ist fraglich.“
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