Biber in Riedensheim, der einen Fischweiher trocken gelegt hatte, wird abgefangen. Angekündigtes Fernsehteam blieb im Stau auf der Autobahn stecken


Rennertshofen-Riedensheim So einfach, wie sich der sechsjährige Lukas Reißner die Lösung des Biberproblems vorgestellt hatte, war sie nun auch wieder nicht. Als das Bayerische Fernsehen am 23. Januar die Sendung „Jetzt red’ i“ in Neuburg aufzeichnete, schlug der Knirps vor, die Biber mit an Bäumen hängenden Netzen zu fangen und erntete für seine ausgefallene Idee den Beifall des Publikums.
Der Erstklässler hatte, wie seine Eltern Robert und Sonja Reißner aus Riedensheim, genug von dem Treiben des Nagers. Meister Bockert machte seit etlichen Jahren den Reißners auf ihren Feldern in Riedensheim zu schaffen und fraß vom Mais und Getreide. Und mit der Zeit fühlte sich der Biber in Riedensheim so wohl, dass er sich auch am Fischweiher der Reißners, der gleich unterhalb des Dorfes liegt, niederließ. Seine kräftigen Zähne verschonten weder die Rinde der stattlichen Erle, noch die der Birken, die das Gewässer säumen. Eifrig benutzte Biberrutschen, eingesunkenes Gelände und Löcher zeugten von seinen nächtlichen Aktivitäten. Als Baumaterial schnappte sich der Biber sogar Thujenzweige aus dem Nachbargrundstück. Als das Tier im Dezember begann, den entlang des Weihers verlaufenden Bach aufzustauen und eine Verbindungsröhre zu graben, war für Robert Reißner das Maß voll. Er drängte auf eine Lösung, und wandte sich an die Gemeinde, die die Fachreferentin des Landratsamtes Melanie Winter einschaltete. Nach einem Ortstermin erlaubte sie, die Aufstauungen im Bachbett zu entfernen. Meister Bockert jedoch war fleißiger als erwartet und arbeitete so lange an seiner unterirdischen Röhre weiter, bis der Bach angezapft war und letzte Woche den Weiher zum Überlaufen brachte. Der an den Acker angrenzende Radweg ist nun eine unter Neuschnee liegende Eisfläche, der Acker wurde an seinen tiefer liegenden Stellen ebenfalls überschwemmt. Der Wasserspiegel beziehungsweise das Eis des Fischweihers steht rund einen halben Meter höher als vor der Flutung.
Für Robert Reißner ist das ein „Super-Gau“. Melanie Winter sieht das anders, denn die Verbindungsröhre sei bei den Grabenräumungsarbeiten, die die Gemeinde am Donnerstag der vergangenen Woche durchführte, wieder verfüllt worden. Nach dem Tauwetter würde sich der Wasserspiegel wieder auf das alte Niveau einpendeln und das überschwemmte Gelände abtrocknen. Landrat Roland Weigert, der bei der „Jetzt red’ i“-Sendung versprochen hatte, sich des Problems anzunehmen, war gestern mit Melanie Winter sowie Sandra Bügelsteiber, der Abteilungsleiterin für Umwelt- und Naturschutz am Landratsamt, und Rennertshofens Bürgermeister Ernst Gebert vor Ort. Angesagt hatte sich auch ein BR-Kamerateam mit Moderatorin Susanne Bauer-Schramm, die nachhaken wollte, was sich in der Angelegenheit inzwischen getan hatte. Doch wegen eines Verkehrsstaus auf der A9 kam das Team zu spät und der Landrat konnte wegen weiterer Termine nicht warten.
Eine Lösung des Problems hatte er, nachdem er Robert Reißner gehört und sich einen Eindruck von der Situation gemacht hatte, anzubieten: Meister Bockert geht es an den Kragen, fürs Erste wird eine jederzeit widerrufliche Pauschalfanggenehmigung erteilt. Zum Zweiten darf die Gemeinde künftige Aufstauungen beseitigen, zum Dritten erhalten die Reißners nach einer Schadensschätzung eine Entschädigung. Für Bürgermeister Gebert eine „unbürokratische Lösung“, doch hält der Gemeindechef sie, besonders was den Biberfang betrifft, nicht für dauerhaft: „Andere oder junge Biber werden in den frei gewordenen Lebensraum nachrücken.“
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