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Pilzberatung: Nicht alles ist gut unter’m Hut

Pilzberatung

Nicht alles ist gut unter’m Hut

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    Experte Wolfgang Teschner nimmt Pilze genauer unter die Lupe.
    Experte Wolfgang Teschner nimmt Pilze genauer unter die Lupe. Foto: Foto: rilu

    Ingolstadt Sie hatten sich schon auf ein vorzügliches Pilzessen gefreut. Katharina Zitzelsberger und Nicole Bayer waren Schwammerl suchen bei Stammham. Doch so ganz sicher waren sich die beiden jungen Ingolstädterinnen dann doch nicht, ob alles genießbar ist, was in ihrem Korb gelandet ist: groß mit einem dunklen Schirm und Lamellen, klein und ziemlich hell, unscheinbar mit einem ganz dünnen Stiel.

    Die Farbe der Sporen verrät viel über einen Pilz

    Deshalb sind die Frauen gestern in den Stadtteiltreff St. Konrad gekommen. Dort hat Apotheker Wolfgang Teschner ihre Funde bei der wöchentlichen Pilzberatung genauer unter die Lupe genommen. Und musste sie enttäuschen: Ihre Pilze sind alle nicht genießbar. Zu Hause wird er sie genauer bestimmen, schauen, welche Farbe die Sporen haben, wie die Oberfläche beschaffen ist, ob es Auffälligkeiten gibt. Dann wird er den Sammlerinnen Bescheid geben können, was genau in ihren Körben gelandet ist.

    Ein Pilzbestimmungsbuch allein reicht meist nicht aus. Immerhin wachsen in Deutschland rund 1500 verschiedene Pilze und die meisten von ihnen sollten nicht in der Pfanne landen. Wie bekanntermaßen der Fliegenpilz, der ruft Wahnvorstellungen hervor. Nicht alle sind zwar giftig, viele schmecken aber einfach grauslig. Der Speitäubling ist so einer. Teschner musste es selbst erfahren. Einer Gruppe wollte er beweisen, dass der Pilz wahnsinnig scharf ist – und hat den Versuch dann bitter bereut.

    Ein anderer Selbstversuch endete wesentlich genussvoller. Ein Sammler hatte ihm einen unbekannten Pilz gebracht. Teschner holte alle Kriterien zur Bestimmung heran und war sich am Ende sicher: Es ist kein Giftpilz. Aber Gewissheit konnte nur eine Mahlzeit bringen. Ein mulmiges Gefühl war schon dabei, gibt er zu, „aber ich musste es für den Kunden ja rausfinden“. Dieser ging daraufhin erneut auf die Suche und hat nochmals 20 der „fleischrötlichen Tellerlinge“ gefunden: „Das war ein ganz tolles Essen.“

    Seit gut 20 Jahren ist Teschner offiziell Pilzsachverständiger. Früher kamen die Leute in seine Apotheke nach Großmehring und hatten ihre Schwammerl dabei, heute kommen sie in den Stadtteiltreff. Wie Klaus Regler (43). Ein Rezept hat den Ingolstädter in den Wald gelockt. Gestern Nachmittag ist er losgezogen, vorher hatte er noch bei Wolfgang Teschner vorbeigeschaut. Mit ein paar Maronen wäre er schon zufrieden, sagte Regler. Doch Teschner warnte: Mehr als 25 Jahre nach Tschernobyl sind gerade Röhrenpilze noch ziemlich verstrahlt. Der Grenzwert lag jahrelang bei 600 Becquerel pro Kilo, seit der Katastrophe von Fukushima sind in der EU 1250 erlaubt. Es gab Flecken bei Neuburg, erinnert sich Teschner, da lag die Belastung 1986 bei 10000 Becquerel – und die ist noch längst nicht verschwunden. Von mehr als einer Maronen-Mahlzeit im Jahr rät der Pilzexperte deshalb ab.

    Doch niemandem will er sein Pilzessen vermiesen und verrät Klaus Regler daher auch einen Geheimtipp: Früher sei er selbst immer südlich von Bettbrunn auf die Suche gegangen. Und noch einen Rat hat er parat: Wenn ein Pilzsucher in einem gut besuchten Waldstück einen noch kleinen Pilz entdeckt, dann sollte er ihn gut tarnen. Notfalls mit einem Stück Toilettenpapier. Das schreckt dann gewiss ab.

    Die Beratung im Konradtreff, Oberer Taubentalweg 65, findet bis Oktober montags von 10.30 bis 12.30 Uhr statt. Eine Anmeldung ist nicht nötig.

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