Ingolstadt Die Schanz gilt als eine der sichersten Großstädte in Deutschland. Das geht aus einer bislang unveröffentlichten Statistik des Bundeskriminalamts hervor, die das Nachrichtenmagazin Focus in seiner aktuellen Ausgabe zitiert. Demnach kommen auf 100000 Einwohner 7391 Straftaten. In Frankfurt, das die Liste der kriminellsten Städte anführt, liegt der Wert mehr als doppelt so hoch.
Nicht überall und zu jeder Tageszeit ist Ingolstadt sicher
Ignaz Brunner, Chef der Ingolstädter Polizei, zeigt sich wenig überrascht, dass Ingolstadt auf dem Platz als neuntsicherste deutsche Großstadt (von 80) landet. Doch er muss auch einschränken: Nicht überall und vor allem nicht zu jeder Tageszeit ist Ingolstadt auch tatsächlich für jedermann sicher. Dass so mancher Ingolstädter Angst hat, nachts durch die Innenstadt zu laufen, kann Brunner durchaus nachvollziehen: „Da fühlt man sich als Normalbürger schon verunsichert.“ Immerhin gab es allein im vergangenen Jahr 1447 Körperverletzungsdelikte – viele davon an Wochenenden in der Innenstadt. Aber Brunner kann auch beruhigen: Für einen Unbeteiligten besteht nur eine sehr geringe Gefahr, tatsächlich Opfer von Gewalt zu werden. Schwere Straftaten wie die tödliche Messerstecherei am Kreuztor im vergangenen September tragen zwar maßgeblich dazu bei, dass sich die Leute unsicher fühlen – aber derartige Taten geschehen sehr selten.
Die Straftaten sind im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2009 in Ingolstadt sogar gefallen, und zwar um 345 oder 3,6 Prozent. Doch immer noch sind es knapp 9200 Delikte, zu denen die Polizei gerufen worden ist – vom Kaugummidiebstahl bis hin zum Mord. Schwerkriminelle sind nur in den wenigsten Fällen am Werk. Allein auf die Kategorie „einfacher Diebstahl“ entfallen knapp 2000 Taten. Fast 700 Ladendiebe wurden geschnappt.
Ein bedeutender Teil der Diebe wohnt dabei nicht einmal in der Stadt, sondern stammt aus dem Umland. „Das ist eine Kriminalität, die nach Ingolstadt einströmt“, erklärt Brunner. Denn in der Großstadt erhoffen sich die Täter wohl eine bessere Beute als in den kleinen Gemeinden außenrum. Und auch bei den Schlägereien hat Brunner eine deutliche Tendenz ausgemacht: Bei Körperverletzungsdelikten stammt die Hälfte der Täter vom Land; die fahrenfürdenDisko- oder Kneipenbesuch nach Ingolstadt – und schlagen dort zu. Genau das unterscheidet Ingolstadt auch von besser platzierten Städten wie Erlangen und Fürth: Dort, vermutet Brunner, übt Nürnberg einen noch größeren Sog auf die Kriminellen aus. Ingolstadt hingegen liegt als Großstadt allein auf weiter Flur, München und Nürnberg sind zu weit weg.
So sieht die Kriminalitätsstatistik 2010 in der Stadt Ingolstadt aus:
gesamte Straftaten: 9194 (-3,6 Prozent)
Körperverletzung: 1447
Ladendiebstahl: 692
Betrug: 976
Sachbeschädigung: 981
Drogendelikte: 541