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09. Januar 2011 16:50 Uhr

Von Sklaverei und Quadratschädeln

Ingolstadt Beim Neujahrsempfang der Grünen ziehen die Politiker traditionell und quasi naturgemäß eine vernichtende Bilanz der Arbeit der Regierungsparteien. Stadträtin Petra Kleine sprach bei ihrer gestrigen Rede von "ganz massiven Fehlentscheidungen" in Ingolstadt. Die Bundestagsabgeordnete Agnes Krumwiede zog auf Bundesebene über die herrschenden Parteien her und warf ihnen "Menschenverachtung" vor. Von Volker Linder

Mit Kleinigkeiten hielten sich die Redner vor einem für die kleinen Räume des Grünen-Büros in der Ingolstädter Griesbadgasse viel zu großen Publikum nicht auf. Die Kritik und die Wut der Oppositionspartei gehen aufs Ganze. Kleine verzichtete zwar in diesem Jahr bewusst auf kompromittierende Tiervergleiche. Bei Reizthemen wie dem Abriss historischer Gebäude wie des Nordbahnhofs oder der alten Viehmarkthalle überschlug sich ihre Stimme vor Entrüstung und Wut aber immer wieder. Kleine kochte innerlich, als sie an den überraschend schnellen Abriss des Verwaltungsgebäudes auf dem Gießereigelände erinnerte: "Man hat den Bürgerprotest über Nacht mit dem Bagger einfach weggeräumt".

Überhaupt kann Ingolstadt laut Kleine "vor wirtschaftlichem Erfolg und wirtschaftlicher Kraft kaum noch laufen". Die Stadt brauche mehr direkte Demokratie, mehr Bürgerbeteiligung und ganz allgemein "mehr grünes Denken". Nicht zuletzt macht Demokratie Kleine zufolge glücklich, wie die Ergebnisse der Glücksforschung belegten. Als Erfolg aus den eigenen Reihen wertete sie den Durchbruch für ein Donaumuseum, für den sie sich bei ihrer Stadtratskollegin Angelika Wegener-Hüssen bedankte.

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Agnes Krumwiede geißelte in ihrer Rede die "schwarz-gelbe soziale Kälte". Sie warf der Bundesregierung "Menschenverachtung" vor und kritisierte als Beispiel die Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke "am Bundestag vorbei". Das sei einer der schwärzesten Tage des vergangenen Jahres gewesen.

Stattdessen forderte sie eine Energiewende und eine Unterstützung der ökologischen Landwirtschaft. Außerdem sei Leiharbeit nichts anderes als "moderne Sklaverei". Mit Leiharbeit würden gegenwärtig die Arbeitslosenzahlen "geschönt". Mit Blick auf den Ausbau von Kulturpolitik sagte die gebürtige Neuburgerin: "Wir brauchen Veränderung in den Quadratschädeln."

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