Ingolstadt Stadtgeschichte wird nicht mehr buchstäblich mit Füßen getreten: Die Bronzetafel, die jahrelang im Pflaster am Viktualienmarktes verankert war – und von vielen Passanten eher achtlos „betreten“ wurde – ist Mittelpunktsobjekt des neuen Denkmals, das gestern enthüllt wurde.
Jahrelang sorgte das eher triste Dasein der Bronzetafel für Diskussionen. Das Bodenkunstwerk erinnert gleichermaßen an die alte Synagoge, die einst am Viktualienmarkt stand, und an die Opfer zweier Bombennächte. Weil der Viktualienmarkt eine hohe geschichtliche Bedeutung für die Stadt hat, entschied der Bezirksausschuss, dass ein neues Denkmal geschaffen werden soll. Finanziert hat es aber nicht die Stadt, sondern der Ingolstädter Unternehmer Franz Schabmüller, dem Oberbürgermeister Alfred Lehmann ausdrücklich für sein finanzielles Engagement dankte.
Lehmann bat auch um Verständnis, weil an dem geschichtsträchtigen Ort inzwischen Essen und Trinken Vorrang haben: Die Funktion städtischer Plätze ändere sich naturgemäß im Laufe der Jahrhunderte.
Der Ingolstädter Künstler Ludwig Hauser will sein Denkmal als Vitrine verstanden sehen, als Objekt voller Durchsichtigkeit, bei dem die jeweiligen Materialien ihre eigene Sprache zum Ausdruck bringen sollen. Neben der Gedenktafel hat Hauser hinter Glas historische Aufnahmen vom Viktualienmarkt platziert. Unter anderem jenes Foto, das den Platz und die Gebäude nach den Bombenangriffen vom April 1945 in Trümmern zeigt. All das feiert nun auf künstlerische Weise Wiederauferstehung.
Hauser hat sich zwei Jahre gedanklich mit dem Projekt auseinandergesetzt. Im Grunde aber ist das Denkmal nur ein Teil davon. Es gibt eine „Vitrine II“, die der Künstler in seinem Atelier präsentiert. Hauptbestandteil sind alte Dias, über die er diskutieren will.