Neuburg Eine Viertelstunde Gewitter mit heftigem Regen sorgte Sonntagnacht in rund 20 Häusern in der Unteren Stadt für Zustände wie beim Pfingsthochwasser vor elf Jahren. Bis gestern Nachmittag war noch unklar, wie es zu dieser Überlastung der Kanalisation kommen konnte. Nach Auswertung der Diagramme, die für jede Pumpanlage erstellt werden, stand fest, dass die Messsonde im Hauptpumpwerk beim Hertlein ihren Geist aufgegeben hat. Das Wasser im Überlauf wurde damit nicht in die Donau gepumpt, sondern lief zurück in die Kanalisation. "Das ist wohl ein klassischer Versicherungsfall", erklärte Pressesprecher Bernhard Mahler. Die Stadt wird somit für die angerichteten Schäden aufkommen. Von Manfred Rinke



von Manfred Rinke und Xaver Habermeier
Die dürften sich auf mehrere Hunderttausend Euro summieren, schätzt Mahler. Etwa 20 bis 25 Keller sind zwischen Oswaldplatz und Schwemmgasse voll gelaufen. Oberbürgermeister Bernhard Gmehling war noch in der Nacht von Paul Leikam, dem städtischen Wasserexperten, über das Unglück informiert worden. Gestern Morgen verschaffte sich das Stadtoberhaupt in einigen betroffenen Häusern einen persönlichen Eindruck. Mittag stellte die Stadt dann drei Container auf. Betroffene konnten dort den angefallenen Müll kostenlos entsorgen. Außerdem wurde eine Hotline eingerichtet. Unter der Nummer 55378 sollen die verursachten Schäden gemeldet werden. In diesem Zusammenhang weist die Stadt darauf hin, dass Geschädigte zur Beweissicherung unbedingt eine Schadensdokumentation (Protokoll, Bilder) vornehmen sollen. Sollte dies nicht möglich sein, stehen städtische Mitarbeiter gerne hilfreich zur Seite, teilt Pressesprecher Mahler mit.
Die Situation Sonntagnacht gab allen Betroffenen Rätsel auf. "Das kann doch nicht sein, dass nach so einem kurzen Regenschauer die Keller volllaufen", schimpfte der Neuwirt Karl Deiml und watete durch knietiefes Wasser. Das stank nicht nur übel, sondern sorgte auch für großen Schaden. Beispielsweise an Heizungen. "Vor zehn Jahren haben wir eine neue Heizung einbauen müssen, jetzt ist sie wieder kaputt", ärgerte sich Ernst Nebelmair, der an der Hechtenstraße wohnt. Bei dem Kfz-Meister schwammen im Keller rund 200 Reifen, alle elektronischen Teile dürften defekt sein. Im Nachbarhaus kamen Elisabeth Lindermayr die im Keller gelagerten Gegenstände mit dem Wasser im Treppenhaus entgegengeschwommen.
In Privatwohnungen am Oswaldplatz stieg das Wasser teils bis unter die Kellerdecke an. Zeugen berichteten, dass schon kurz nach dem Regenschauer die Kanaldeckel am Oswaldplatz von den Wassermassen hochgeschoben wurden und die dreckige Brühe den Platz sowie Teile der Hechtenstraße überschwemmte. Auch mehrere Geschäfte im Bereich Hechtenstraße und am Oswaldplatz waren betroffen. Von den Wassermassen überrascht wurden auch die Anwohner von Häusern in der Schwemmgasse. Ein Blick in Kellerfenster machte das Unheil sichtbar, während die Betroffenen in Gummistiefeln oder barfuß durch die Wassermassen in der Gasse wateten.
Sofort zur Stelle waren 40 Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr, die mit 14 Pumpen und weiteren Hilfsgeräten alle Hände voll zu tun hatten. Daneben musste die Hechtenstraße gesperrt werden. Bis 4 Uhr waren die Wehrmänner am Keller auspumpen und Wertgegenstände ausräumen. In der Schwemmgasse half zusätzlich das Technische Hilfswerk mit. Zwei Keller galt es für die Freiwillige Feuerwehr Feldkirchen im südlichen Stadtteil sowie im benachbarten Sehensand auszupumpen.
Bilder von Sonntagnacht unter neuburger-rundschau.de/bilder
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