Ingolstadt Der Architektenwettbewerb war ebenso international besetzt wie das Preisgericht, das gestern bis in die Abendstunden über den 15 Entwürfen brütete. Die Entscheidung für die beiden renommierten Büros „Dinse Feest Zurl Architekten“ (Hamburg) und „Stanton Williams“ (London) wird jetzt im nächsten Schritt im Stadtrat diskutiert. Noch vor der politischen Sommerpause soll dort die nächste Entscheidung fallen, sagt Kulturreferent Gabriel Engert.
Der politischen Meinungsfindung einher gehen dürfte eine breite Diskussion in der Öffentlichkeit. Auf die freut sich auch der Münchener Architekturprofessor und Vorsitzende des Preisgerichts, Walter Wappner. Das Museumsprojekt in der denkmalgeschützten Gießereihalle (28 mal 88 Meter Grundfläche) ist seit vielen Jahren ein Gesprächsthema in der Stadt. Schon wegen der Kosten: Die reinen Baukosten belaufen sich netto auf 15 Millionen Euro, dazu kommen die Nebenkosten und die aufwendige Infrastruktur. Am Ende dürfte Ingolstadt bei rund 20 Millionen Euro landen. Die Stadt erwartet sich für das Design-Museum in direkter Nachbarschaft zum Neuen Schloss und dem neuen Kongresszentrum bei den Kunstfreunden internationale Beachtung.
„Wie passiert diese Veränderung von einer Gießereihalle zu einem Museum für Konkrete Kunst und Design? – das war die spannende Frage im Preisgericht“, sagte am Abend Stadtbaurätin Renate Preßlein-Lehle, als das Ergebnis der Jury vorgestellt wurde. Preßlein-Lehle kann sich beide erste Preise im direkten Umfeld zum Neuen Schloss und dem neuen Kongresszentrum „gut vorstellen“. Auch Kultureferent Gabriel Engert sieht in beiden Entwürfen „ein sehr gut funktionierendes Museum mit sinnvoller Raumaufteilung und zeitgemäßer Technik“.
„Ich bin total begeistert“, schwärmte auch ein – erschöpfter – Ludwig Wallner. Er hofft, „dass der Stadtrat jetzt beide erste Preise auf Augenhöhe diskutieren wird.“ Die Entscheidung fiel einstimmig. Die Jury habe damit zum Ausdruck gebracht, dass beide Arbeiten hinsichtlich der wesentlichen Betrachtungsmerkmale gleichwertig seien. Und das ist neben Funktionalität und Raumaufteilung das Erscheinungsbild nach außen. Die Erhaltung der Charakteristik der Gießereihalle als Industriedenkmal genoss auch wegen des Denkmalschutzes in der Bewertung eine hohe Priorität. „Ich kann Ingolstadt nur wünschen, dass es zu einer guten Diskussion kommt“, sagt Wallner.
Absolut glücklich ist Dr. Tobias Hoffmann, der Direktor des Museums für Konkrete Kunst. Nun ist ein weiterer entscheidender Schritt getan. „Keiner der beiden ersten Preise ist auch nach meiner Ansicht wirklich besser – beide sind sehr gut. Sehr angenehm überrascht war ich von der Vielfalt der eingegangen Arbeiten“, sagte Hoffmann der NR.