Am Landgericht Ingolstadt hat gestern der Prozess gegen zwei junge Ingolstädter begonnen. Die Staatsanwaltschaft hat sie angeklagt, weil sie vor etwa zweieinhalb Jahren in einem Ingolstädter Appartement eine Prostituierte vergewaltigt haben sollen. Der mutmaßliche Haupttäter, ein 24-Jähriger, soll sich laut Anklage etwa drei Stunden lang an der Frau vergangen haben. Er muss sich zudem wegen vorsätzlicher Körperverletzung vor der Großen Strafkammer verantworten. Während sich die beiden Angeklagten gestern zum Prozessauftakt ausführlich zu den Vorwürfen äußerten und eine Vergewaltigung entschieden bestritten, erschien die Frau „krankheitsbedingt“ nicht im Gerichtssaal.
Es war am 15. Juli 2012. Die beiden verheirateten jungen Männer waren auf einer Taufe bei Verwandten eingeladen. Wie sie dem Vorsitzenden Richter, Landgerichtsvizepräsident Jochen Bösl, übereinstimmend schilderten, hätten sie sich von dem Familienfest aber irgendwann entfernt. In der Pension, in der sie sich eingemietet hatten, habe man fern der Verwandtschaft mit Freunden noch etwas feiern wollen. Als sie in dem Gasthaus ankamen, seien sie bereits „ausreichend besoffen“ gewesen. Wodka war geflossen, die ein oder andere Flasche Rezina auch. Man habe weiter getrunken.
Die Frau soll im Zimmer eingesperrt und zum Sex gezwungen worden sein
Es war 2 Uhr als schließlich die Käufliche aufgetaucht sei, die nach Drogen gefragt, sich dazugesetzt, mitgetrunken habe, allerdings ohnehin schon angeschickert gewesen. Und zwar so sehr, dass sie den Kopf nicht mehr gerade habe halten können. So die Behauptung der beiden Angeklagten. Sie und der mutmaßliche Haupttäter näherten sich in den folgenden Minuten an und man verabschiedete sich bald schon vom Rest der Runde auf ihr Zimmer. Die Prostituierte wohnte in der Pension.
Wie es dann weitergegangen sein soll, darüber gibt es sehr unterschiedliche Aussagen: Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, die Frau in ihrem Zimmer eingesperrt, sie entkleidet und gegen ihren erklärten Willen zum Sex gezwungen, sie ferner geschlagen, getreten und danach auch seinem Freund (28) „angeboten“ zu haben. In der Anklageschrift heißt es, sie hätten es zunehmend ausgenutzt, „dass sie nunmehr als zwei erwachsene Männer dem wehrlosen Opfer gegenüberstanden.“ Die beiden behaupten dagegen, der Geschlechtsverkehr sei einvernehmlich und so vorher am Tisch auch vereinbart gewesen. Auch sei vorher bereits über Geld gesprochen worden. Es sei im Einverständnis eine Art ménage à trois gewesen.
Polizisten bestätigen Aussage des mutmaßlichen Opfers
Was war, dem wird sich das Gericht an den fünf weiteren Verhandlungstagen nähern müssen. Dass die Männer auf der Anklagebank Griechen sind und die Sache mit der Übersetzung trotz Dolmetscher nicht ausschließlich reibungslos klappte, machte es Richter Bösl nicht leichter.
Der befragte gestern den damals zuständigen Ermittlungsrichter und diverse Polizeibeamte. Sie gaben Aussagen des mutmaßlichen Opfers wieder. Die Frau habe an jenem Abend, als der 24-Jährige später Streit mit einem Dritten bekommen habe, die Gelegenheit zur Flucht ergriffen. Sie sei nackt und schreiend aus dem Zimmer gelaufen. Die Polizei kam.
Eine Ärztin, die die Frau am nächsten Morgen im Klinikum untersucht hatte, dokumentierte zwar verdächtige Verletzungen. Ob diese sich aber eindeutig dem nächtlichen Geschehen zuordnen lassen werden, ist fraglich. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.