Die Anhänger des FC Ingolstadt 04 hatten es am gestrigen Nachmittag bereits um Punkt 15.17 Uhr skandiert: „Nie mehr dritte Liga!“. Als Schiedsrichter Florian Steuer vier Minuten später die Partie gegen Energie Cottbus beendete, war es offiziell: Die Schanzer gehen auch in der Saison 2012/2013 in der 2. Fußball-Bundesliga auf Tor- und Punktjagd. Mit dem 1:0-Erfolg gegen die weiterhin abstiegsbedrohten Lausitzer blieben die Ingolstädter nicht nur in der Rückrunde daheim ungeschlagen, sondern „tüteten“ damit auch am vorletzten Spieltag der Saison endgültig den Klassenerhalt ein.
„Wenn man bedenkt, dass wir zu Beginn der Rückrunde gerade einmal zehn Punkte auf unserem Konto hatten, muss man sicherlich sagen, dass unsere Mannschaft eine sensationelle Leistung in der zweiten Hälfte dieser Spielzeit abgeliefert hat“, resümierte ein erleichterter FC 04-Cheftrainer Tomas Oral. Dass einige seiner Schützlinge in den vorangegangenen 92 Minuten auf dem Rasen des Audi-Sportparks gehörig mit ihren Nerven zu kämpfen hatten, war freilich auch Oral nicht verborgen geblieben. „Ehrlich gesagt war das heute eher ein glücklicher und unverdienter Sieg“, meinte der Ingolstädter Fußballlehrer, der seine Truppe jedoch zurecht in Schutz nahm: „Zum einen hatten wir schon Respekt vor Cottbus, das von seinem Potenzial her nicht in diese Tabellenregion gehört. Zum anderen muss man aber auch sagen, dass wir uns dieses Glück in der Rückrunde hart erarbeitet haben.“
Wie schon in zahlreichen vorangegangenen Begegnungen war es auch diesmal gegen die Lausitzer eine Kombination aus Glück, harter Arbeit und vor allem einem bärenstarken Torhüter Ramazan Özcan, die den Oberbayern letztlich den Sieg sowie die damit verbundene vorzeitige Rettung ermöglichten. Denn bis zum „Lucky Punch“ des eingewechselten Collin Quaner in der 84. Minute, der einen von FC-Schlussmann Rene Renno abgewehrten Caiuby-Schuss aus kurzer Distanz über die Torlinie drückte, waren die Gäste zweifelsohne das bessere Team und einem oder gar mehreren Treffern deutlich näher als die phasenweise ängstlich und gehemmt wirkenden Hausherren. Nur gut, dass „Rambo“ Özcan bei gefährlichen Schüssen von Ivica Banovic (6.) und Daniel Ziebig (62.) glänzend reagierte sowie bei einem Missverständis mit Ralph Gunesch mächtig Dusel hatte, dass Dimitar Rangelov daraus kein Kapital schlagen konnte (69.)
„Nachdem wir wussten, über welche Qualität Energie Cottbus verfügt, wollten wir nicht mit allen Offensivkräften nach vorne stürmen, da sich dies dann möglicherweise bitter gerächt hätte“, erklärt Oral, der letztlich bis kurz vor Schluss warten musste, ehe sein Konzept – auch dank seines „Glücksgriffs mit der Einwechslung Quaners – zu 100 Prozent aufging.
„Die Erleichterung, dass wir den Klassenerhalt nun perfekt gemacht haben, ist natürlich riesengroß“, meinte FC 04-Kapitän Stefan Leitl, der von einer „immensen Drucksituation“ in den vergangenen Wochen und Monaten sprach: „Es geht dabei ja nicht nur um uns Spieler, sondern um Existenzen im ganzen Verein. So etwas beschäftigt einen natürlich immer wieder.“
Bevor es zum (verdienten) Feier-Marathon mit den Teamkollegen ging („Ich denke mal, dass unser Vergnügungswart Ramazan Öczan und Kassenwart Andreas Schäfer schon etwas Geeignetes finden werden“), hegte Leitl bereits hinsichtlich der kommenden Zweitliga-Saison einen „frommen“ Wunsch: „Ich bin nun seit sechs Jahren beim FC Ingolstadt 04. In dieser Zeit habe ich stets entweder gegen den Abstieg oder um den Aufstieg gespielt. Es wäre daher schön, wenn wir endlich einmal von Beginn an eine etwas ruhigere Spielzeit absolvieren könnten.“ Die FC 04-Anhänger und Verantwortlichen hätten sicherlich nichts dagegen...
FC Ingolstadt 04: Özcan – Görlitz, Biliskov, Gunesch, Schäfer – Matip, Ikeng – Leitl (90. Hornschuh), Caiuby – Nemec (71. Schäffler), Akaichi (71. Quaner).
Energie Cottbus: Renno – Engel, Hünemeier, Möhrle, Ziebig – Roger (86. Fenin), Kruska – Sørensen, Banovic, Adlung (87. Ludwig) – Rangelov.
Tor: 1:0 Quaner (84.). – Schiedsrichter: Steuer (Menden). – Zuschauer: 11047.