Ein Wechselbad der Gefühle durchlebten am Freitagabend die Anhänger des Zweitligisten FC Ingolstadt. Fast eine Stunde lang wurden die Schanzer vor eigenem Publikum von Union Berlin vorgeführt und lagen verdientermaßen 1:2 hinten. Doch dann drehte Ingolstadt auf, kam zum Ausgleich und kurz darauf sogar zur Führung. Als alle bereits mit dem vierten Heimsieg des FC 04 rechneten, wurden sie bitterböse überrascht. Ausgerechnet der ehemalige Ingolstädter Markus Karl köpfte zum 3:3-Ausgleich ein.
So bleiben die Oberbayern die Remiskönige der Rückrunde – es war das fünfte Unentschieden in den vergangenen sieben Spielen. Zumindest vorübergehend konnten sich die Schanzer damit in der Tabelle auf den 13. Platz schieben. „Union war heute 65 Minuten lang die bessere Mannschaft. Wenn man ehrlich ist, hat Berlin den Zähler verdient. Das Positive ist: Obwohl wir schlecht gespielt haben, ist die Mannschaft nach dem 1:2-Rückstand wieder zurückgekommen“, sagte FC-Trainer Tomas Oral wenige Minuten nach der Partie. Es war ihm allerdings anzumerken, dass es in ihm emotional noch brodelte. Zum einen, weil die eigenen Fans seine Truppe vereinzelnd ausgepfiffen hatten und zum anderen, weil seine Elf nicht imstande gewesen war, in der Nachspielzeit den Ball aus der Gefahrenzone zu schlagen und so den Ausgleich mit dem Schlusspfiff zu verhindern.
„Bei uns hat heute nicht viel gestimmt. Wir sind überhaupt nicht ins Spiel gekommen, waren zu weit von den Gegnern weg und haben viele Zweikämpfe verloren. Berlin hat dagegen befreit aufspielen können“, analysierte Florian Heller, der in der 33. Minute das 1:0 für den FC Ingolstadt 04 vorbereitet hatte. Das war zu diesem Zeitpunkt allerdings mehr als glücklich. Berlin führte die Schanzer zeitweise durch ihr schnelles und flüssiges Direktspiel vor. „Wenn wir bis zur Pause mit zwei Toren hinten liegen, könnten wir auch nichts sagen“, resümierte Oral. Einmal rettete jedoch Torhüter Ramazan Özcan mit einer guten Fußabwehr (6.) gegen Chinedu Ede, nur 40 Sekunden später Marvin Matip auf der Torlinie.
Wie aus heiterem Himmel gingen dann aber die Schanzer durch Adam Nemec mit 1:0 in Führung (33.). Nach einer Flanke von Heller erzielte der 26-jährige Slowake sein erstes Tor im Trikot der Ingolstädter. Die Freude währte jedoch nur 120 Sekunden. Berlins Ede setzte sich auf der rechten Seite durch und glich prompt zum 1:1 aus.
Auch nach dem Seitenwechsel waren die Gäste tonangebend und Ingolstadts Keeper Özcan schwer beschäftigt. In der 48. Minute war er allerdings machtlos, als Simon Terodde die verdiente Führung für Union markierte.
Das Spiel drehte sich, als Ingolstadts Trainer Oral Ahmed Akaichi und Caiuby ins Spiel brachte und offensiver agieren ließ. Die Folge waren der Ausgleich durch Adam Nemec (72.) – er köpfte eine Flanke von Andreas Görlitz ins Tor – und der umjubelte Treffer zum 3:2 durch Andreas Buchner, der einen klugen Rückpass von Aikaichi einnetzte (77.). Alles sah nach einem Happy End aus. Doch dann kam der Auftritt von Markus Karl, der mit einem Kopfball in der Nachspielzeit seinem Ex-Klub die Feierlaune verdarb.
FC Ingolstadt 04: Özcan – Görlitz, Biliskov, Gunesch, Schäfer – Matip, Ikeng (63. Akaichi) – Leitl, Buchner – Heller (63. Caiuby), Nemec (85. Bambara). – Zuschauer: 6264. – Tore: 1:0 Nemec (33.), 1:1 Ede (35.), 1:2 Terodde (48.), 2:2 Nemec (72.), 3:2 Buchner (77.), 3:3 Karl (90.+2).