Neuburg Barbara Billmair steht aufrecht auf einer leuchtend grünen Matte, faltet die Hände vor ihrer Brust, öffnet sie wieder und streckt ihren Körper gerade durch. „Und dabei immer schön lächeln, das gibt positive Energie“, sagt die 26-Jährige, während sie sich weiter dehnt und biegt und damit den sogenannten „Sonnengruß“ vollendet. „Also, entspannend sieht das aber nicht aus“, unterbricht sie Jürgen Schubert mit einem Lächeln. Er ist einer von vier Männern, die an diesem Abend im Vereinsheim des TSV Neuburg zum allerersten Mal Yoga machen wollen. Von ihren Matten aus verfolgen sie mit skeptischen Blicken, was Barbara Billmair ihnen zeigt.
Erfahrung hat keiner von ihnen, neugierig auf das neue Kursangebot des TSV, „Yoga für Männer“, waren sie alle. „Ich möchte das einfach mal ausprobieren und es mir gönnen, mich abends eineinhalb Stunden zu entspannen“, sagt Yoga-Neuling Siggi Zeitler. Insgesamt achtmal treffen sich die Männer im TSV Vereinsheim, um gemeinsam zu entspannen und ihre Körper zu straffen. „Es ist schon so, dass Männer sich manchmal nicht zum Yoga trauen - so zwischen all den Frauen“, weiß Barbara Billmair. In ihrem Kurs soll das Hauptaugenmerk auf der Kräftigung liegen. „Bei Frauen macht es zum Beispiel auch Sinn, den Unterleibsbereich besonders anzusprechen, das machen wir hier nicht.“
Der „Sonnengruß“, eine beliebte Aufwärmübung beim Yoga, die alle Muskeln anspricht, stellt die erste Herausforderung für die Männer dar. Als sie mit durchgestreckten Beinen versuchen, mit ihren Händen die Zehen zu berühren, scheitern sie alle vier. „Das ist ganz normal, das verbessert sich mit der Zeit“, ermutigt sie Barbara Billmair und schlägt vor, die Beine ein wenig anzuwinkeln. „Nach ein paar Stunden können wir das, kein Problem“, scherzt Jürgen Schubert. Die drei anderen Männer lachen und atmen angestrengt.
Die richtige Atemtechnik, das sei im Yoga das Wichtigste, erklärt die 26-Jährige. Nur durch regelmäßiges Üben könne ein Bewusstsein dafür entwickelt werden. „Wir wollen Energie einatmen und Anspannung ausatmen“, formuliert sie das Ziel. Bei den folgenden Übungen, der „Cobra“ und dem „Baum“, klappt das tiefe Atmen in den Bauch bereits besser als beim „Sonnengruß“.
Zum Abschluss der ersten Übungsstunde legen sich die Männer auf den Rücken. Sie schließen ihre Augen und Barbara Billmair beginnt mit Autosuggestion: „Ich entspanne meine Zehen, meine Fußsohlen und meine Fußgelenke.“ In angenehmer Stimmlage fährt sie fort – bis sie an der Kopfhaut angelangt ist. Außer Barbara Billmair sind in diesem Moment nur ein paar Vögel aus dem angrenzenden Englischen Garten zu hören.
Mit einem letzten gemeinsamen „Omm“ endet die erste TSV-Yogastunde für Männer. „Zwischendrin war es schon echt anstrengend, aber das wird schon werden und dann sicher immer und immer entspannender“, zieht Jürgen Schubert ein erstes Fazit.