Möttingen Im Vorfeld der Erschließung des Wohnbaugebietes „Badfeld II“ in Möttingen waren im letzten Jahr archäologische Notgrabungen nötig, um Befunde aus 4300 bis 4800 Jahren Besiedlungsgeschichte zu sichern. Vor gut 80 Zuhörern im Möttinger Sportheim berichteten Grabungsleiterin Birgit Srock und Dr. Wolfgang Czysz vom Landesamt für Denkmalpflege über die zum Teil erstaunlichen Ergebnisse.
So konnte Birgit Srock Reste von drei Hügelgräbern aus dem Ende der Jungsteinzeit präsentieren, inklusive Grabbeigaben wie Schnurkeramik-Gefäßen oder Feuerstein-Klingen. Aus der frühen Bronzezeit fand sich ein Grab zweier Frauen mit Bronzeschmuck. Mysteriös ist das Skelett eines jungen Mannes aus jener Zeit, der bäuchlings in einer Grube lag; also nicht beerdigt, sondern hineingestoßen wurde oder hineingestürzt war. Ebenso geheimnisvoll erscheint das Skelett eines Mannes dicht unter der Grasnarbe – vielleicht ein eilig verscharrter Landsknecht.
Dr. Czysz belegte eine rege Siedlungstätigkeit aus römischer Zeit: Ein Gebäudeensemble stellt möglicherweise einen bislang unentdeckten römischen Gutshof dar, darin fand sich zahlreiche Haushaltskeramik. Eine Besiedelung zwischen Forellenbach und Bautenbach war möglicherweise auf die vorbei laufende Römerstraße ausgerichtet; demnach vielleicht eine Straßenstation. Eine Einzigartigkeit im Ries stellt eine Darre dar, zur Feuertrocknung von Dinkel, Malz oder Flachs benutzt. In ganz Bayern wurden bislang 15 römische Darren entdeckt.
Auch die bewegte Geschichte zum Ende der Römerzeit zeichnet sich in Möttingen ab: Alamannen, die ab dem dritten Jahrhundert heftig über den Limes drängten, hinterließen Keramik aus Pannonien, heute Rumänien und Ungarn. Franken errangen mit der Schlacht bei Tolbiacum (Zülpich) 496 die Herrschaft über die Alamannen und auch über das Ries. So wurde denn auch ein einfacher fränkischer Krieger mit Streitaxt, zu der üblicherweise ein Bogen gehörte, mit seiner Frau in Möttinger Boden bestattet. Da ein Familien-Grabfeld fehlt, starben sie wohl kinderlos, gehören aber zur Gründergeneration der frühmittelalterlichen Siedlung. Wie diese ausgesehen haben mag, illustrierte Wolfgang Czysz anhand einer Zeichnung.
Bürgermeister Erwin Seiler brachte den naturgegebenen Konflikt zwischen entwicklungsorientierter Gemeinde und bewahrungsorientierten Archäologen zum Ausdruck: Natürlich sei der Aufwand an Zeit und Geld für die Untersuchungen eine Belastung für die Gemeinde gewesen, doch man sei froh über die gewonnenen Erkenntnisse, die das historische Bewusstsein der Einwohner prägen werden.