Oettingen/Ansbach Der Zaun am Nordrand des Oettinger Forstes muss nach Auffassung des Landkreises Ansbach bis zum 31. März 2011 wieder abgebaut werden.
Das Fürstliche Haus zu Oettingen-Spielberg hat - wie berichtet - im Sommer dieses Jahres auf mittelfränkischer Flur nahe Fürnheim einen rund zehn Kilometer langen Elektrozaun errichten lassen, um das Eindringen von Wildschweinen in die angrenzenden Maisfelder zu verhindern. Eine Baugenehmigung holte das Fürstenhaus seinerzeit nicht ein, weil es der Auffassung war, eine solche sei nicht nötig. Wenn Landwirte ihre Felder einzäunten, bräuchten sie auch keine Genehmigung.
Die Untere Naturschutzbehörde am Ansbacher Landratsamtes gelangte in einem fast viermonatigen Prüfungsverfahren zu der Auffassung, der Zaun widerspreche dem Bayerischen Naturschutzgesetz, weil damit der Zugang der Allgemeinheit zur freien Natur nicht mehr gewährleistet sei. Ein Wald sollte von jedem betreten werden können, der Erholung suche und die Naturschönheit genießen möchte, so das Landratsamt.
Im Falle des Oettinger Forstes handle es sich um ein Gebiet mit besonderer Bedeutung für die Erholung, was nicht zuletzt durch eine entsprechende Darstellung im Regionalplan der Region Westmittelfranken dokumentiert sei. Das Waldgebiet werde zu jeder Jahreszeit von zahlreichen Erholungsuchenden aufgesucht.
Intensive Bejagung
Außerdem heißt es in der Ansbacher Behörde, das Landratsamt und die Regierung von Mittelfranken befürworteten eine intensive Bejagung zur Bestandssicherung in diesem Gebiet. So könnten beispielsweise revierübergreifende Jagden zu einer Verringerung der Schwarzwildpopulation beitragen, ohne eine Sperre mittels eines Zaunes für Mensch und Tier errichten zu müssen.
Der Domänendirektor des Fürstlichen Hauses in Oettingen, Dr. Eberhard Lasson, sagte in einer ersten Stellungnahme gegenüber den Rieser Nachrichten, er habe erst gestern einen Brief vom Landratsamt Ansbach erhalten, in dem man das Fürstenhaus um eine Stellungnahme zum Elektrozaun bei Fürnheim bitte. Also sei noch keine endgültige Entscheidung über den Abbau des Zaunes gefallen, so die Interpretation Lassons.
Der Fürst werde in jedem Fall die Haltung der Ansbacher Kreisbehörde rechtlich prüfen lassen, ebenso wie die Tatsache, "dass eine Pressemitteilung herausgegeben wird, bevor uns das offizielle Schreiben des Amtes erreicht hat".
Fürstenhaus kann sich nochmals äußern
Die Pressestelle des Landratsamtes bestätigte auf RN-Anfrage die Aussagen des Domänendirektors. Das Amt habe "verwaltungstechnisch" die Entscheidung auf Abbau des Zaunes getroffen. Dennoch habe die betroffene Seite, also das Fürstenhaus, die Möglichkeit sich zu äußern und ihre Argumente darzustellen. Ob dies an der Haltung des Amtes etwas ändere, werde man sehen.
Ganz wichtig ist Domänendirektor Lasson jetzt auch das Gespräch mit den Landwirten im Raum Fürnheim zu suchen, um deren Meinung zu der jetzt eingetretenen Entwicklung zu erfahren.
Bund Naturschutz sieht sich bestätigt
Einhellig begrüßt wird die Entscheidung des Landkreises von der Kreisgruppe Ansbach des Bunds Naturschutz in Bayern (BUND). Thomas Joas, stellvertretender Kreisvorsitzender, betonte gestern gegenüber unserer Zeitung, es könne nicht angehen, dass das Fürstenhaus einfach Tatsachen schaffe und einen Elektrozaun ohne Genehmigung bauen lasse.
"Der Forst soll für Mensch und Tier durchgängig sein"
Joas schlägt eine revierübergreifende Bejagung des Schwarzwildes als alternativen Lösungsansatz vor. Denn eines ist für ihn klar: Für Mensch und Tier müsse der Oettinger Forst durchgängig sein. Da könne man zwischendrin keine Zäune aufbauen.
Jetzt bestellen! Das neue iPad inkl. e-Paper.
Artikel kommentieren
| Artikel bewerten: