Samstag, 23. September 2017

07. Juli 2017 00:37 Uhr

Debatte

Frauenrechtlerinnen in den Religionen?

Bei einer Podiumsdiskussion in der Synagoge in Hainsfarth sprechen Theologinnen über die Notwendigkeit von Gleichberechtigung. Worin sich alle einig waren Von Ernst Mayer

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Drei Religionen saßen an einem Tisch (von links): Moderatorin Antje Dechert vom Bayerischen Rundfunk, Rabeya Müller (Imamin in Köln), Teresa Degelmann (Bayern Forum der Friedrich-Ebert-Stiftung), Dr. Antje Deusel (Rabbinerin Bamberg), Sigi Atzmon (Freundeskreis der Synagoge), Prof. Johanna Haberer (Uni Erlangen-Nürnberg, Fachbereich Evang. Theologie).
Foto: Ernst Mayer

Wenn man die fragt, die das Sagen in den Religionen haben – nämlich die Männer – wird man bei der Frage, ob es Frauenrechtlerinnen in den Religionen braucht, meist auf Unverständnis stoßen. Die Theologinnen, die sich zu einer Podiumsdiskussion in die Synagoge Hainsfarth einladen ließen, waren sich einig, dass in den Religionen Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau gelten müsse. Dies gebiete auch die Verfassung der Bundesrepublik.

Der Diskussion stellten sich die Rabbinerin der Bamberger jüdischen Gemeinde, Dr. Antje Yael Deusel, Lehrbeauftragte im Fach Judaistik an der Universität Bamberg, die Imamin Rabeya Müller, Gründungsmitglied des Liberalen Islamischen Bundes und die evangelische Theologin Prof. Johanna Haberer, Journalistin und Professorin der Universität Erlangen-Nürnberg. Eine Theologin der katholischen Kirche konnte trotz Bemühungen nicht gewonnen werden.

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In ungewöhnlicher Übereinstimmung sprachen die Anwesenden über die Stellung der Frauen in ihren Religionen. Die evangelische Vertreterin tat sich scheinbar am leichtesten, denn in ihrer Kirche gibt es seit mehr als zwei Jahrzehnten die Ordination von Frauen als Pfarrerinnen und vor 25 Jahren die erste Bischöfin (Maria Jepsen). Doch auf Nachfrage aus den Zuhörern musste sie eingestehen, dass drei Bischöfinnen in Deutschland noch nicht als großer Erfolg gelten könne. Das Bild der Frauen in der Bibel sei heute noch von Männern geprägt. Als Vorbilder seien sie erst von der säkularen Frauenbewegung neu entdeckt worden.

Antje Deusel wurde als Ärztin in der Urologie mit dem Thema der Beschneidung befasst und konnte durch ihre Ausbildung zur Rabbinerin fundiert dazu Stellung nehmen. Ihre Faszination für die religiösen Studien hätte zunächst nicht Feminismus zum Grund. Das Streben nach Gleichberechtigung sei bei ihr erst im Laufe der Zeit gewachsen. Frauen sollen ihrer Meinung nach nicht alle ins Rabbinat gehen, aber sie sollten es dürfen. Die bestehenden religiösen Verbote seien nicht ursprünglich. Aus verschiedenen Gründen seien Frauen von religiösen Pflichten entbunden worden. Aus dieser Befreiung hätten sich aus Gewohnheit die Verbote ergeben. Die Verweigerung der Bar Mizwa für Mädchen in konservativen Gemeinden sei biblisch nicht zu begründen, wird in liberalen Gemeinden ermöglicht. Sie forderte „Gleiche Rechte, gleiche Pflichten“. Die Unterscheidung zwischen konservativen und liberalen Gemeinden gebe es auch bei den moslemischen Gemeinden, wobei Rabeya Müller feststellte, dass die konservative Seite in Deutschland überwiege. Viele meinen, den Islam in seiner traditionellen Form verteidigen zu müssen, ohne jemals den Koran genau gelesen zu haben. Es gebe im Islam zahlreiche ernsthafte Reformbewegungen, die aber, wie die „Sisters in Islam“ in den Medien nicht bekannt würden. Außerdem kommuniziere die deutsche Administration vorwiegend mit konservativen Gruppierungen, die der gewünschten „Verkirchlichung“ des Islam eher entsprächen. Gründe dafür seien das Fehlen eines Lehramts im Islam und einer geistlichen Autorität, wie man das unter anderem vom Papsttum gewohnt sei. Aus der Freiheit der Auslegung des Korans resultierte auch die Begründung ethnischer Traditionen durch Koranverse. Das zeige vor allem einen Mangel an religiöser Bildung. Als Verfasserin eines viel beachteten Lehrbuchs für islamische Religion habe sie dem entgegenzuwirken versucht. Als die Moderatorin Antje Dechert vom Bayerischen Rundfunk nach einer regen Diskussion ein Schlussstatement erbat, waren sich die drei Theologinnen einig, dass Frauen darauf bestehen sollten, das zu tun, was sie für richtig hielten. Darum wollen sie weiter für die Geschlechtergerechtigkeit kämpfen.

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