Möttingen Am Ende seiner Erinnerungen an die ersten Automobile in Möttingen und Umgebung schreibt der 1923 geborene Dr. Gerhard Seiler: „Bleiben jetzt nur noch die Lastwagen, die es natürlich auch gab. Soweit ich mich erinnere, hatten die Meyer-Mühle in Lierheim und die Scheible-Brauerei in Alerheim schon in den Jahren vor dem Krieg einen. Sicher auch die BayWa, aber an deren Lkws kann ich mich nicht weiter erinnern. Sie kam nicht zu uns, sondern hatte selbst eine Werkstatt. Anmerken möchte ich noch, dass sich meine Erinnerungen im Wesentlichen auf den Kundenkreis meines Vaters beziehen, den ich im Geschäft kennengelernt habe. Sie sind also mit Sicherheit nicht vollständig.“
1914 gab es in Deutschland bereits 9000 Lkws, die in der Anfangszeit gerade eine Tonne befördern konnten und 50 km/h erreichten. Das erste Bierauto, mit dem der Alerheimer Michael Wiedemann (1906–1983) im Jahre 1927 Scheible-Bier zu den Zäpfern fuhr, war ein vollgummibereifter Zweitonner-Lastwagen mit 38 PS, Rechtssteuerung, Außenschaltung und -handbremse.
Schlechte Wege
Die Höchstgeschwindigkeit betrug 30 Kilometer pro Stunde. Ein schnelleres Tempo wäre den Bierkisten auch schlecht bekommen, denn um diese Zeit gab es noch allenthalben schlechte Wege, „wo ma schier versonka isch“. Michael Wiedemann fuhr mit dem Bierauto der Brauerei Scheible auch Möbel und Holz für die Alerheimer; sogar „Säukischta, Heherhäuser ond Gees“ beförderte er auf den Nördlinger Markt. Die Bäuerinnen saßen auf ihren Kisten und hatten sich zum Schutz „da obera Rock“ über den Kopf gestülpt. Auch die Musikkapelle Liebhäuser-Heuberger aus Appetshofen-Kleinsorheim, die „Hauskapelle“ der Alerheimer Brauereigaststätte, wurde mit dem Lastwagen zu Kirchweihen kutschiert.
Mit dem Lastwagen schneller „en ds Gai“
Der Transport von Getreide und Mehl im Ries und darüber hinaus geschah mit dem von Pferden gezogenen Mühlwagen. Aus Erzählungen seiner Mutter weiß zum Beispiel der Lierheimer Johann Dürrwanger, dass sein Großvater Michel Arnold von 1886–1897 „Mühlstangenreiter“ (Fuhrmann) in der Lierheimer Kunstmühle C. A. Meyer war. Deren „Gai“ reichte fast bis Ingolstadt. Auf der „großen Tour“ ging es mit vier Pferden und dem beladenen Mühlwagen bis nach Rennertshofen nahe Ingolstadt. Drei Tage sei er dabei unterwegs gewesen. Man kann sich leicht vorstellen, was für eine Erleichterung es gewesen sein muss, solche Strecken später mit einem Lastwagen zurücklegen zu können. (gss)