Nördlingen Nach wie vor hervorragend aufgestellt präsentiert sich die Raiffeisen-Volksbank Ries. Trotz Finanzkrise, unsicheren Märkten und so manchen Negativschlagzeilen im deutschen Blätterwald behauptete sich das genossenschaftliche Kreditinstitut im vergangenen Jahr solide und leistungsstark. Ein Thema bei der Vertreterversammlung im „Klösterle“ war die gescheiterte Fusion mit der Bopfinger Bank Sechta-Ries. In diesem Zusammenhang fanden Schuldzuweisungen in Richtung Württemberg statt. Bei der Generalversammlung Mitte April in Unterschneidheim votierten lediglich 43 Prozent der Bopfinger-Bank-Mitglieder für einen Zusammenschluss über die Landesgrenze hinweg (wir berichteten).
Vorstandsvorsitzender Helmuth Wiedenmann sprach bescheiden von einem „soliden“ Betriebsergebnis trotz herausragender Zahlen. Die Bilanzsumme stieg um 1,9 Prozent auf 821 Millionen Euro. Mit einem Eigenkapital von rund 79 Millionen Euro nimmt die Bank bayernweit im Vergleich zu anderen Volks- und Raiffeisenbanken eine Spitzenstellung ein.
Mit ihrer überdurchschnittlichen Eigenkapitalquote von 9,6 Prozent der Bilanzsumme erfüllt die Raiffeisen-Volksbank bereits jetzt in vollem Umfang die neuen Anforderungen von Basel III, wodurch die Eigenkapital- und Liquiditätsregeln der Banken deutlich verschärft wurden. Bekanntlich hängt die Ausreichung von Krediten maßgeblich mit dem vorhandenen Eigenkapital eines Geldinstitutes zusammen. Quasi als „Fels in der Brandung“ steht die RVB Ries für ihre rund 20000 Mitglieder und knapp 40 000 Kunden da, die sich angesichts der guten Zahlen ihrer Bank sicher sein können, dass ihr Geld dort gut aufgehoben ist. Wiedenmann ging auf einzelne Bilanzpositionen ein (die Rieser Nachrichten berichteten bereits Anfang Februar darüber) und wagte darüber hinaus einen kurzen Ausblick auf das laufende Jahr.
50000 Euro für soziale Aufgaben ausgegeben
Neben ihrer Aufgabe als Finanzdienstleister habe sich die RVB auch sozial wieder stark engagiert. Rund 50000 Euro seien an soziale, kirchliche und gemeinnützige Einrichtungen geflossen. Das soziale Engagement werde durch die VR-Bürgerstiftung und die Raiffeisen-Volksbank-Ries-Stiftung ergänzt.
Deutliche Worte fand Wiedenmann zur missglückten Fusion mit der Bopfinger Bank. Wer allerdings erwartet hatte, dass der Vorstandsvorsitzende an diesem Abend nur einen Hauch von Selbstkritik angesichts des Abstimmungsdebakels für den Vorstand erkennen lasse, wurde enttäuscht. Er schob die alleinige Schuld für das Scheitern der „regionalen Politik“ auf der Ostalb zu, die sich massiv eingemischt habe und offensichtlich verhindern wollte, dass im östlichen Württemberg eine starke und zukunftsfähige Einheit entstehe.
Nicht nur ein einzelner Bürgermeister, gemeint war Bopfingens Rathauschef Gunter Bühler, sondern auch Ostalb-Landrat Klaus Pavel hätten offensichtlich Sorge um die Einheit des Landkreises. Von dieser Seite sei „massiv intrigiert“ und Einfluss genommen worden, um die Fusion zu verhindern. „Das ist keine Theorie, die ich mir aus den Fingern sauge. Dafür gibt es inzwischen eindeutige Belege“, betonte Wiedenmann. Um welche Belege es sich dabei konkret handelt, blieb der Vorstandschef an diesem Abend allerdings schuldig.
Zudem hielt der Nördlinger Bankchef Landrat Pavel vor, „Wasser zu predigen und heimlich Wein zu trinken.“ Er bezog sich dabei auf Aussagen des Landkreischefs bei der Eröffnung der diesjährigen Rieser Kulturtage in Lauchheim, wo Pavel die Verbindungen zwischen dem württembergischen und bayerischen Ries als beispielgebend gewürdigt hatte. „Im Übrigen stellt sich die Frage, ob ein Landrat als Verwaltungsvorsitzender der Kreissparkasse Ostalb legitimiert ist, sich in die Strukturpolitik der Hauptwettbewerbsinstitute einzumischen“. Eine Fusion mit Bopfingen hat Wiedenmann weiter auf der Agenda. Man könne dies jedoch nicht erzwingen. Deswegen gelte es, erst einmal abzuwarten.
Die Regularien der Versammlung wickelten Aufsichtsratsvorsitzender Ulrich Seidel, dessen Stellvertreter Prof. Dr. Markus Glück und der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Paul Ritter ab. Einmütig erfolgte die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat.
Gewählt wurden drei Mitglieder des Aufsichtsrates für weitere drei Jahre (siehe Infokasten).
Für seine 25-jährige Mitgliedschaft im Aufsichtsgremium der Bank erhielt Karl Wüst von Regionaldirektor Peter Ferner mit der Ehrennadel samt Urkunde die höchste Auszeichnung des bayerischen Genossenschaftsverbandes.