Nördlingen (hum) - Diese Bauernhof-Idylle in Nördlingen sucht man oft auf dem Dorf vergebens: Hinter einem Lattenzaun in einem Obstgarten laufen glückliche Hühner umher, kleine Kätzchen balgen sich. Doch was die Katzen betrifft, trügt die Idylle: Der Hofbesitzer klagt, dass auch heuer, wie in früheren Jahren, mehrere junge Katzen verschwunden sind.
Sie können nur gestohlen worden sein, schlussfolgert er daraus. Und er hat auch schon einen Verdacht: Mitglieder des Katzenschutzvereins "Samtpfoten" müssen es gewesen sein. Die hatte er heuer schon angezeigt, die Polizei ging der Sache auch nach und befragte etliche Mitglieder des Vereins dazu. Dann waren die Katzen plötzlich wieder da. Die Tierschützer hätten wohl ein schlechtes Gewissen gehabt und die Kätzchen wieder zurückgebracht.
"Entführungen" abgestritten
Elke Stehle, die Vorsitzende von "Samtpfoten", schilderte unserer Zeitung gegenüber die Situation aus ihrer Sicht. Dazu gehöre, dass die Katzen bei aller augenscheinlichen Idylle wild lebten, zum Teil von Krankheiten geplagt und sich selbst überlassen seien. "Sie verlassen den Hof von selbst und begeben sich anderswo auf Futtersuche", mutmaßt sie und weist "Katzen-Entführungen" durch den Verein von sich.
Mit dem Tierschutz kam der Bauer schon lange vor dem seit zweieinhalb Jahren existierenden "Samtpfoten"-Verein in Berührung. Damals lebte eine riesige Menge an Katzen auf dem Grundstück - der Besitzer erklärte, andere Katzenbesitzer hätten ihm ihre Jungtiere über den Zaun geworfen.
Angebot abgelehnt
Wulf-Dietrich Kavasch vom Nördlinger Tierschutzverein hatte angeboten, alle Tiere kostenlos zu kastrieren. Der Tierarzt wiederholte kürzlich sein Angebot, doch letztendlich ging der Besitzer nicht darauf ein. Immer wieder fragen Tierfreunde, ob sie junge Katzen mitnehmen und pflegen können, füttern sie auch.
Dabei kam es vor zwei Jahren zu einem Eklat: Mitglieder von "Samtpfoten", fütterten nachts heimlich Katzen am Zaun, der Besitzer kam dazu, griff sie tätlich an, die Polizei musste hinzugezogen werden. "Seitdem halten sich unsere Mitglieder von diesem Hof bewusst fern", so Elke Stehle. "Wir haben auch so mehr als genug zu tun, auch wenn wir die Tiere sehr ungern sich selbst überlassen." So gibt es derzeit mehrere Familien, deren Wohnungen von Tieren überquellen oder unzählige ausgesetzte Kätzchen. Elke Stehle stellt als "Katzen-Lobbyistin" eine Frage in den Raum: "Was wäre, wenn es manche Menschen mit Hunden so hielten wie mit Katzen, sie sich unkontrolliert vermehren, einfach weglaufen und ihr Futter selbst suchen ließen?" Die Antwort hat sie selbst parat: "Dann hätten wir Zustände wie in manchen südlichen Ländern."