Nördlingen Heute erzählt unsere Zeitungsente Paula Print von einem besonderen Nachmittag auf der Nördlinger Mess': Alle Fahrgeschäfte waren am traditionellen Kinder- und Familientag der Nördlinger Mess' aufgerufen, mindestens eine Leistung um 30 Prozent verbilligt anzubieten. So gab es Autoscooter-Chips 50-Stück-weise quasi zum Kilopreis, Bälle, Würfe, Reitrunden, Pfeile, Schüsse und natürlich alle Fahrten wurden günstiger angeboten. Doch das war nicht der einzige Grund, warum die Kaiserwiese von Stunde zu Stunde mehr überlaufen war: Meinte es am frühen Nachmittag die Sonne fast noch zu gut und brannte gnadenlos herunter, bezog sich der Himmel just um die Zeit, als die Schulkinder mit ihren Hausaufgaben fertig und "messbereit" waren. Von Regen zeigte sich keine Spur, aber die Temperaturen sanken in den optimalen Bereich.



Von den Massen, die hereinfluteten, waren grob drei Typen auszumachen: Erstens Familien, die sich gemeinsam amüsierten, die Fahrgondeln mit Vätern, Müttern und den Kindern besetzten. Zweitens Großeltern mit Anhang. "Wenn ich meinen Enkeln nicht auf der Mess' eine Freude machen kann, wann dann?", brachte es eine Großmutter auf den Punkt. Und drittens die "Checker" - große Kinder, die keine mehr sein wollten und in modischem Outfit mit Hüten, Westen und zuweilen etwas mehr Schminke als nötig ausprobierten, wie man auf der Kaiserwiese am coolsten rüberkommt.
So viel zu den kleinen und großen Rieser Kindern, die sich auf der Kaiserwiese vergnügten. Was aber ist mit den anderen Mess'-Kindern, denen der Schausteller? Sie unterliegen wie alle der Schulpflicht, haben aber keine feste Schule, wenn sie mit den Eltern reisen.
Für sie gilt zunächst, in der Zeit außerhalb der Volksfestsaison von November bis März in der Schule am Heimatort besonders fleißig zu sein. An dieser Schule können sie auch während der Saison bleiben, wenn Großeltern oder andere Verwandte am Ort wohnen und sie betreuen können. Auf diese Lösung verfällt man gerne zu Prüfungszeiten. Kinder, die mit den Eltern von Festplatz zu Festplatz ziehen, müssen dann jeweils die dortige Schule besuchen. Zum Glück sind die Zeiten vorbei, in denen sie als fremde Gäste in die hinterste Reihe gesetzt und aufgefordert wurden, möglichst wenig zu stören.
Heutzutage gibt es "Bereichslehrer", die für die einzelnen Kinder den Lehrstoff über verschiedene Schulen hinweg koordinieren. Der Bereichslehrer ruft dann beim Festplatzwechsel in der neuen, vorübergehend zuständigen Schule an und spricht mit den dortigen Lehrern ab, welcher Lehrstoff für welches Kind ansteht, damit ein inhaltlich kontinuierliches Schuljahr gewährleistet ist. (hum)
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