Donauwörth/Nördlingen Viele bayerische Landkreise haben große Probleme mit ihren Krankenhäusern. Gelegentlich werden Kliniken sogar ganz geschlossen; sehr häufig weisen die Jahresabschlüsse tiefrote Zahlen aus. Im Donau-Ries–Kreis ist dies anders. Dort gibt es seit 2008 ein gemeinsames Kommunalunternehmen (gKU), in dem die drei Kliniken samt der Seniorenheime zusammengefasst sind und das nach gewissen Anfangswehen mittlerweile gut zu laufen scheint, insbesondere finanziell. Jedenfalls vermittelten die Verantwortlichen in der jüngsten Kreistagssitzung diesen Eindruck und unterstrichen dies mit dem „bereinigten Gesamtergebnis“ für 2010: plus 1,3 Millionen Euro. Der eigentliche Gewinn liegt sogar bei 2,6 Millionen; 1,3 Millionen Euro fließen aber in die Rückstellungen für die Altersteilzeit.
Vorstand Gerhard Wurm konnte in seinem Geschäftsbericht den Kreistagsmitgliedern weitgehend frohe Botschaften verkünden, wies aber gleichzeitig auf schwieriger werdende Zeiten hin. Richtig sauer ist Wurm auf die „große Politik“ in Berlin: „Was ist den Politikern die Gesundheit der Bevölkerung noch wert, frage ich mich?“ Man sei mit stetig steigenden Personal- und Sachkosten in den einzelnen Häusern konfrontiert, die Grundleistungen auf der Einnahmenseite bleiben jedoch konstant. „Vor diesem Hintergrund streben wir für die Zukunft eine schwarze Null an.“ Soll heißen: Die Zeit der satten Überschüsse ist offenbar vorbei. „Für mich vermittelt die Politik den Eindruck, kleinere Häuser von der Bildfläche verschwinden lassen zu wollen und nur noch auf große Einheiten zu setzen.“
Neues Konzept in Arbeit
Das Medizinkonzept aus dem Jahr 2008 sei weitgehend in den drei Kreiskrankenhäusern umgesetzt, betonte Wurm weiter. Er kündigte ein neues an, das der gKU-Verwaltungsrat im Juli in Auftrag gegeben habe. Warum nach drei Jahren wieder eine Neuauflage notwendig ist, sagte Wurm nicht. Dies tat gestern Landrat Stefan Rößle auf Anfrage der Rieser Nachrichten: „Wir müssen uns für die Zeit nach 2012 neu aufstellen, um den vielfältigen Herausforderungen begegnen zu können“, begründete der Landkreischef den Auftrag an eine Düsseldorfer Unternehmensberatung mit Schwerpunkt Krankenhauswesen.
Wurm bekräftigte im weiteren Verlauf seiner Ausführungen die nach wie vor bestehende Grundversorgung in allen drei Kliniken, die jeweils durch medizinische Schwerpunktbereiche ergänzt werde. Einen „Erfolgsfaktor“ nannte Wurm in diesem Zusammenhang die neue Kardiologie am Stiftungskrankenhaus Nördlingen. Das integrierte Herzkatheterlabor funktioniere seit September und sei rund um die Uhr besetzt. Von der Bevölkerung werde die neue Abteilung sehr gut angenommen. Gleiches gelte für die Wirbelsäulenchirurgie an der Klinik in Donauwörth, die sich ebenfalls als „Renner“ erweise und zur Ertragssteigerung beitrage. Auch technisch bewege sich dieser Bereich auf dem modernsten Stand der Technik.
Ein klares Bekenntnis gab Wurm für die Oettinger Klinik ab. Dort sei im Mai eine Akut-Geriatrie installiert worden, von der man sich einen zusätzlichen Schub erwarte. Leider würden die Erlöse in der geriatrischen Reha trotz 100-prozentiger Belegung die Aufwendungen bisher nicht decken, bedauerte der Vorstand. Gut laufe das Schlaflabor. Insgesamt bewertete Wurm die „Fallzahlen“ in allen drei Häuser als gut. Auf die Seniorenheime eingehend erklärte er, dass sich alle Einrichtungen auf dem neuesten Stand befänden und deren Zukunftsfähigkeit gesichert sei.
Aufgrund von Umbaumaßnahmen erwarte man in den Häusern Rain und Monheim allerdings erst wieder für 2012 eine Vollbelegung. In Rain würde darüber hinaus betreutes Wohnen kommen.
Erweiterte Intensivstation
Was im Kreistag zum Nördlinger Haus keine Erwähnung fand, schob Landrat Rößle gegenüber den RN gestern nach: „Am Stiftungskrankenhaus bauen wir neben einer neuen Notaufnahme eine erweiterte und modernisierte Intensivabteilung für rund zwei Millionen Euro.“ In Donauwörth stehe der Bau eines neuen Operationsbereiches an.