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30. Dezember 2010 20:00 Uhr

So bunt ist der Jahreswechsel

Soviel darf vorweg genommen werden: Ganz egal, wo auf der Erde Silvester gefeiert wird, es ist immer ein freudiges Fest mit Freunden und Familie. Wir haben uns auf die Suche nach den schönsten Traditionen zum Jahreswechsel aus aller Welt gemacht. Menschen aus der Region erzählen von den Bräuchen aus ihren Heimatländern.

Rote Dessous in Italien

Fangen wir mit dem wohl prickelndsten Brauch an: In Italien wird in der heutigen Nacht traditionell rote Unterwäsche getragen. Die schenkt man sich gegenseitig an Silvester und sorgt so für viel (Liebes-) Glück im neuen Jahr. Weniger prickelnd, sondern vielmehr scheppernd ist folgender Brauch: Die Römer schmeißen nachts altes Geschirr aus dem Fenster - so sollen böse Geister vertrieben werden.

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Die Harburger werden sich freuen, dass Fiorella Salamena dieses Ritual nicht in ihre jetzige Heimat mitgebracht hat. Sie stammt ursprünglich aus dem südlichen Latium (südlich von Rom) und zelebriert lieber den Linsen-Brauch mit ihrer Familie in Deutschland. Traditionell kommt in der Nacht des Jahreswechsels ein Linsen-Eintopf auf den Tisch. Je mehr Linsen gegessen werden, desto besser - die Hülsenfrüchte stehen nämlich für Geld. "Linsengerichte gibt es in fast allen Familien", weiß Salamena. "Selbst da, wo Linsen nicht so gerne gegessen werden." Deshalb sind Linsen in der gesamten Familie von Fiorella Salamena ein Muss.

Trauben in Mexiko

Die reizende Tradition der roten Dessous herrscht auch in Mexiko. Ihre Heimat hat sich Carol Fuentes Monteiro in Form von Verwandten in den Donau-Ries-Kreis geholt. Die Mexikanerin feiert heute ein deutsch-mexikanisches Silvester. In ihrer Heimat ist traditionelles Essen mit Fisch, Shrimps und edlem Tequila Pflicht.

Für die Kinder gibt es Pinatas. Die werden aufgehängt, und wenn man gegen die kunstvollen Verpackungen drischt, rieseln Süßigkeiten aus ihnen heraus. Besonders wichtig neben roter Unterwäsche: Um Punkt Mitternacht wird zu jedem Glockenschlag eine Weintraube gegessen. "Das ist gar nicht so leicht", meint die 40-Jährige. Denn es müssen exakt zwölf Trauben sein, das bringt viel Glück.

Geschenke in der Türkei

In der Türkei wird, je nach Einkommen, entweder in den eigenen vier Wänden oder im Hotel gefeiert, weiß Nihat Ertugrul, der seit 35 Jahren im Landkreis lebt, Silvester aber im Ausland verbringt. In seinem Heimatland gibt es zum Essen traditionell gefüllten Truthahn und viel Obst. Gemeinsam wird Karten gespielt, Alkohol gibt es gar nicht oder nur wenig. Heute feiert Nihat Ertugrul gemeinsam mit seiner Familie in Antalya in der Türkei. In ihrem Hotel lockt eine Tombola mit Gewinnen. Besonders schön: Wie bei Christen an Weihnachten gibt es bei den Moslems an Silvester Geschenke.

Pitta in Griechenland

Für viel Glück im Haus sorgen in Griechenland die Kinder, erklärt Anastasio Boulgouris. Er stammt aus Zentralmazedonien und lebt ebenfalls im Donau-Ries. Die Kinder in seiner Heimat singen in Geschäften und Häusern den ganzen Tag lang "Kalenda", Lieder, um das neue Jahr zu begrüßen. Wer ihnen Geschenke macht, bekommt mit einer Extra-Strophe Segen, wer ihnen allerdings die Türe nicht öffnet, wird mit einer Art Fluch belegt.

Silvester ist in Griechenland ein Familienfest. Für die Verwandtschaft gibt es abends Vassilopitta, also Fladenbrot, das riesige Stück wird geteilt. Ein Teil ist für Jesus, eines für Maria, eines für den Heiligen Vassilios und eines für das Haus der Familie reserviert. Wer die eingebackene Münze abbekommt, dem ist das Glück im nächsten Jahr hold. Abends tanzen die Griechen um ein großes Feuer, das "Suruva".

Schutzengel in China

Nicht allzu bedeutend ist unser Silvester für die Chinesen. In China lebt man nach dem Mondkalender, und laut dem ist der bevorstehende Jahreswechsel nicht morgen, sondern am 3. Februar 2011. Da wird das Frühlingsfest gefeiert, erklärt Jing. Bevor es allerdings zum Feiern kommt, wird das gesamte Haus geschrubbt: "Alles muss blitzblank sein." Jing stammt aus der chinesischen Provinz Zhe Jiang, lebt jedoch bereits seit 1992 in Deutschland. Das Frühlingsfest dauert etwa zwei Wochen, es gibt neue Klamotten, Verwandte werden besucht und natürlich gibt es gutes Essen. Und davon reichlich.

Die Haustüren werden mit Glück bringenden Gedichtversen und Schutzengeln geschmückt. Außerdem wird rote Dekoration im Haus angebracht. Rot stehe für Glück und Freude. Das wissen auch chinesische Kinder. In einem roten Säckchen sammeln sie Münzen. Ganz besonders wichtig sind Kracher. Jing wird auch heute Nacht mit ihrer Familie Feuerwerk zünden. Hauptsache, es knallt, zischt und raucht: "Je mehr Rauch rauskommt, desto mehr Glück kommt kommendes Jahr ins Haus rein."

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