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Römische Spuren: Trockene Böden lassen tief blicken

Römische Spuren

Trockene Böden lassen tief blicken

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    Im Juli des Jahres 1997 war in diesem Weizenfeld bei Appetshofen der Grundriss des Badegebäudes der einstigen römischen Villa von einer Standleiter aus ganz deutlich zu sehen. Das Gelände liegt an einem Nordhang mit Blick in die Riesebene.
    Im Juli des Jahres 1997 war in diesem Weizenfeld bei Appetshofen der Grundriss des Badegebäudes der einstigen römischen Villa von einer Standleiter aus ganz deutlich zu sehen. Das Gelände liegt an einem Nordhang mit Blick in die Riesebene. Foto: Foto: privat

    Appetshofen Dieser Tage haben drei Rieser Hobby-Historiker in einem Weizenfeld am Hahnenberg bei Appetshofen Vermessungen durchgeführt. Dem trockenen Frühjahr ist es zu verdanken, dass die Vermächtnisse im Boden gut erkennbar sind. So konnte dieses Jahr wieder ein Teil des umfangreichen Geländes der römischen „villa rustica“ bei Appetshofen kartiert werden.

    Erste Funde im Jahr 1913

    Schon seit fast 100 Jahren ist an dem nach Norden zu einem Bach abfallenden Hang die Lage eines römischen Gutshofes bekannt. Im Jahr 1913 hatte der Bauer Ruf aus Appetshofen aus seinem Acker Steine herausgeräumt und war dabei auf Mauerreste gestoßen, die der damalige Bürgermeister Ganzenmüller meldete. Daraufhin führte im Dezember 1913 Dr. Ernst Frickhinger aus Nördlingen eine kleine Ausgrabung durch. Es wurden die Reste von römischen Mauern, Estrich und einer Fußbodenheizung entdeckt. Ebenso zeugen ein Säulenstumpf und eine Münze von einer römischen Siedlung. In den alten Flurnamen deutet die Ackerbezeichnung „Weilenäcker“ darauf hin, dass unsere Vorfahren hier noch die sichtbaren Reste einer Siedlung (eines Weilers) vorgefunden haben.

    Der Landwirt Georg Strauß aus Appetshofen, dem einer der heute dort liegenden Äcker gehört, hat dort schon als interessierter Junge beim Rübenhacken immer wieder römische Scherben und Ziegelbruchstücke gefunden. Später als Landwirt ist ihm vom Traktor aus auch öfters aufgefallen, dass der Weizen an einigen Stellen recht ungleichmäßig wächst und manchmal regelrechte Mauerzüge zu beobachten sind.

    Über massiven Steinmauern, die sich unter der Pflugsohle befinden, ist nämlich in trockenen Jahren deutlich zu erkennen, dass das Getreide sich dort weniger hoch entwickelt und dies als sogenanntes „negatives Bewuchsmerkmal“ zu sehen ist. Diese Befunde waren nach dem trockenen Frühjahr 1997 besonders deutlich zu erkennen. Damals konnten von der Luft aus sehr gut die Grundrisse des Wohnhauses, eines Badegebäudes und eines Nebengebäudes erkannt werden. Bei anschließenden Vermessungen am Boden wurden die Ausdehnungen genau erfasst und festgehalten.

    Heuer war ebenfalls wieder ein sehr trockenes Frühjahr und die fast 2000 Jahre alten Mauern lassen sich wieder an einigen Stellen gut beobachten. Auch sind durch den Fruchtwechsel heuer Befunde an Stellen zu sehen, wo vor 14 Jahren wegen Mais- oder Rübenanbau nichts erkennbar war.

    Weit über 100 Landgüter

    Die weit über 100 römischen Landgüter im Ries waren von unterschiedlicher Größe und Ausdehnung. So waren bei den Befliegungen 1997 auch bei Marktoffingen, Auhausen und Großsorheim deutliche Spuren römischer Grundmauern zu sehen.

    Die römische Villa von Appetshofen zählt im lokalen Vergleich zu den großen und reich ausgestatteten Höfen. So sind bislang mindestens sechs Gebäude sicher nachzuweisen. Darunter befindet sich ein kleines Badegebäude mit reicher Mauergliederung der Innenräume. Dieses Bad liegt im untersten Bereich des Hanges. Dort beweist der alte Flurname „Pfaffenbrunnen“, dass hier auch noch in späterer Zeit die alte Quellfassung und der Ablauf des Römerbades vorhanden waren. Ältere Bauern erinnern sich auch noch an einen gemauerten Abfluss in das Bächlein unterhalb des Geländes. Dies war wohl eines der letzten oberflächlichen Zeugnisse der einstigen römischen Badekultur an diesem Platz.

    Das Hauptwohngebäude dagegen besticht allein schon durch seine Größe. Es hat Seitenmaße von 50 mal 30 Meter und weist Eckrisalite auf. Es ist davon auszugehen, dass das repräsentative Wohnhaus einen Säulengang hatte.

    Die Größe des Landbesitzes der römischen Gutshöfe ist nicht bekannt. Jedoch darf aufgrund der Abstände zwischen den römischen Höfen mit 100 Hektar bei den durchschnittlichen Betrieben gerechnet werden. Bei großen Villen, wie der bei Appetshofen, kann man durchaus mit 200 Hektar Grundbesitz rechnen. So haben hier neben der Familie des Großgrundbesitzers auch etliche Arbeiter und Bedienstete gewohnt.

    Mit Fußbodenheizung

    Entsprechend wurde an der Fundstelle bei Appetshofen bereits bei der Ausgrabung 1913 in der Nachbarschaft des großen Wohngebäudes ein zweites Wohnhaus mit Fußbodenheizung aufgedeckt. Von den mehreren Nebengebäuden sind bislang drei sicher nachzuweisen. Das Gelände der Villa war mit einer rechteckigen Mauer umfangen. Diese hatte die Abmessungen von 190 mal 230 Metern. Das bedeutet, dass der Villenkomplex eine Fläche von 4,3 Hektar umfasste. Das entspricht etwa sechs Fußballfeldern.

    Bald soll auch wieder vom Flugzeug aus überprüft werden, ob sich noch weitere Grundmauern in den Weizenfeldern erkennen lassen. Diese können dann fotografiert und dokumentiert werden. Die Ergebnisse dieser Arbeit werden dem Bayerischen Landesamt für Bodendenkmalpflege in Thierhaupten gemeldet.

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