Hainsfarth Den Gedanken eines toleranten Miteinanders stellt der Freundeskreis der ehemaligen Synagoge Hainsfarth in den Mittelpunkt seines Jahresprogramms. Es soll umfassend über die Vorgänge des Holocausts informiert werden. Dargestellt werden sollen aber auch die Gemeinsamkeiten in Geschichte und Kultur.
Einen Schwerpunkt bildet die vom 24. bis 28. April stattfindende Ausstellung „Fegt alle hinweg!“ über den Approbationsentzug jüdischer Ärztinnen und Ärzte in Deutschland, als das behördlich angeordnete „Erlöschen“ der Approbation am 30. September 1938 für die noch verbliebenen jüdischen Ärzte die endgültige Vernichtung ihrer beruflichen Existenz bedeutete. Fotos, Briefe und Erinnerungen geben Zeugnis über das Leid der systematischen Verfolgung und der Ermordung in den Vernichtungslagern. Ihnen werden die gnadenlosen behördlichen Dokumente der Diffamierung, Ausgrenzung und Existenzvernichtung gegenüber gestellt.
Die Eröffnung der Ausstellung von Dr. Hansjörg und Ursula Ebell wird ergänzt durch das von Werner Eisenschink dargestellte Lebensbild des Nördlinger Arztes David Heimann, der nach mehr als 50 Jahren ärztlichen Wirkens nur durch die Emigration in die USA der tödlichen Bedrohung entkommen konnte.
„Warum Ärzte zu Mördern wurden“ erläutert Dr. Michael v. Cranach, Honorarprofessor an der Hochschule München, bei der Ausstellungseröffnung aufgrund der von ihm als Direktor des Bezirkskrankenhauses Kaufbeuren aufgefundenen Akten. Zwischen 1939 und 1945 wurden im Reichsgebiet mehr als 200000 Menschen mit psychischen Erkrankungen ermordet. Dieses Kapitel der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft schlägt er auf, um die Opfer zu würdigen und zu verstehen, wie gut ausgebildete Ärzte, die Elite der deutschen Psychiatrie, zu Mördern wurden.
„Was erinnert heute noch an die jüdischen Familien von einst?“, fragt Rolf Hofmann in einem Vortrag mit Lichtbildern am Sonntag, 29. April. Über viele Jahrhunderte waren Familien mit jüdischem Glauben zumeist wohlgelittene Nachbarn von Bauern, Handwerkern und Kaufleuten im Ries. Wenn die Erinnerung auch verblasst ist, gibt es doch noch Manches, was die Zeiten überdauert hat und dem aufmerksamen Betrachter einen Blick in längst Vergangenes ermöglicht.
Zeitzeugen der ehemaligen Ereignisse zu gewinnen, wird immer schwieriger. Der in Kaunas/Litauen geborene Zwi Katz schildert am 2. Mai seine Erlebnisse. Er kam in Kaunas 1941 ins Ghetto und wurde 1944 ins KZ Kaufering deportiert. Als sich im April 1945 die Westfront näherte, wurde er zusammen mit vielen anderen Häftlingen auf den „Todesmarsch“ in Richtung Tirol geschickt, bei dem Katz knapp einer Erschießung entging.
Fachkundig besetzte Podiumsdiskussion
Am 9. Mai kommen unter dem Titel „Um Gottes willen miteinander verbunden“ Vertreter der Religionen in einer Podiumsdiskussion ins Gespräch über das Verhältnis von Juden und Christen. Gesprächspartner sind Dr. Henry Brandt, Rabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde Augsburg, Pfarrerin Barbara Eberhard, Theologische Referentin der Begegnung von Christen und Juden in Bayern und Prof. Dr. Hanspeter Heinz, Senator der Universität Augsburg.
Am 13. Juni wird zu einem Vortrag mit Diskussion mit der Vorsitzenden der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Gertrud Kellermann, eingeladen. Das Thema: „Lesen Christen und Juden die gleiche Bibel?“
Dem Gedenken an die „Reichspogromnacht“ am 9. November dient in diesem Jahr „Herzkeime“, mit Gedichten von Nelly Sachs, Vertonungen von Gedichten der Selma Meerbaum-Einsinger, Schauspiel und Gesang von Martina Roth, Bewegtbild, Komposition und Gitarre von Johannes Conen. Den örtlichen musikalischen Beitrag liefert dazu der Hainsfarther Gesangsverein. (emy)
Programmbroschüren gibt es in den Tourist-Informationen Nördlingen, Oettingen und Wemding sowie in zahlreichen Geschäften. Internet: www.synagoge-hainsfarth.de.