Alerheim In der westlichen Flur der Gemeinde Alerheim steht seit Menschengedenken ein schlichtes Holzkreuz. Weit ab von den Straßen, die von Deiningen und Grosselfingen nach Alerheim führen. Und weil es so mitten in der weiten Flur steht, kennt es kaum jemand. Auch viele Alerheimer wissen nichts über das Kreuz und seinen Daseinszweck als Flurdenkmal. Aber es steht dort wohl seit dem 14. Jahrhundert. Bis heute heißt das Flurstück um das Kreuz herum auch in den Grundbüchern „Unterm Kreuz“.
In einer alten Alerheimer Sage aus dem 14. Jahrhundert wird von einem grausam-strengen Burgvogt berichtet, der geringste Verstöße und Auflehnung gegen ihn mit dem Tode bestrafte. Dieses Schicksal ereilte auch eine arme Witwe, deren einziger Sohn wegen einer Bagatelle zum Tode verurteilt wurde. Die Frau begab sich daraufhin zum Vogt und bat kniefällig um Gnade. Das harte Herz des Burgvogts war zunächst nicht zu erweichen. Aber weil die Witwe nicht aufhörte zu flehen und ihre Tränen nicht nachließen, ließ der Vogt den Einspruch gelten, aber unter einer strengen Auflage: „Willst du die Schuld deines Sohnes sühnen, wohlan, dann schneide morgen vom erwachenden Tage an bis zur Dämmerung am Abend drei Felder Getreide; dann ist dein Sohn frei.“ Die Witwe schärfte daraufhin ihre Sichel, und als am nächsten Tag die ersten Strahlen der Sonne den Tag erhellten und noch Tau auf den Halmen lag, begann sie ihr schweres Werk. Sie legte ohne Rast Schwaden an Schwaden und mit der untergehenden Sonne schnitt sie die letzten Halme des dritten Feldes, um dann an Ort und Stelle an Erschöpfung zu sterben. So wurde an dieser Stelle ein Gedenkkreuz errichtet.
Wie oft das Kreuz in den Jahrhunderten erneuert werden musste, ist nicht nachzuvollziehen. Aber dieses Jahr im Juni warf der Hagelsturm, der über das Ries brauste, das in die Jahre gekommene Kreuz um und zerstörte es vollständig.
Der Landwirt Karl Pflanz, auf dessen Acker das Kreuz stand, ergriff die Initiative, und in Zusammenarbeit mit dem Zimmermann Marco Graf wurde auf eigene Kosten ein neues Kreuz aus massiven Eichenbalken errichtet. Und so wie es nun steht und verankert wurde, wird es vielleicht die Stürme der nächste 100 Jahre überstehen.