Schon Tage vor dem Jahrestag der Terroranschläge am 11. September 2011 beginnt der Berichterstattungsmarathon im Fernsehprogramm. Am Donnerstag Abend (ZDF, 22.15 Uhr) fragt Elmar Theveßen nach den Auswirkungen des Anschlags und wie er die Welt veränderte. Am Sonntag folgt Stefan Aust (21.55 Uhr, ARD) mit seiner Doku. Fast zeitgleich präsentieren am kommenden Montag RTL-Chefredakteur Peter Kloeppel und TV-Autor Stefan Lamby (auch für die ARD) zwei Filme, die helfen sollen, das Erinnern nicht zu vergessen. Kloeppel hat im zeitlichen Rahmen die Nase ein klein wenig vorn: Seine Reportage "Der 11. September! Wie ein Tag unser Leben veränderte" beginnt um 22.15 Uhr.
Angehörige von Opfern erzählen
In seinem Film geht Kloeppel einigen Einzelschicksalen nach. Er sprach mit Überlebenden der Anschläge, mit Angehörigen von Opfern, mit Menschen, die vor den Anschlägen Kontakt zu den Terroristen hatten, und laut RTL mit Menschen, die erst nach dem 11. September in den Sog des bis heute andauernden Kampfes gegen den Terrorismus gezogen wurden. Der RTL-Chefredakteur redete auch mit deutschen Soldaten in Afghanistan, die in den Militäreinsätzen gegen die Taliban dort täglich ihr Leben aufs Spiel setzen.
SMS, gesendet am 11. September 2001
09:21:55 Uhr „Wir werden evakuiert. Bin nicht sicher, was passieren wird. Liebe dich!“
09:37:35 Uhr „Daddy, hier ist Randi. Ich kann Mom nicht erreichen und wollte sicher gehen, dass ihr in der Stadt seid. Ich sah alles am TV... Was passiert da?? Gibt es einen Krieg???“
10:10:05 Uhr „Ein Flugzeug stürzte vor etwa 15 Minuten ins Pentagon. Ich kann dich nicht erreichen. Telefonleitungen sind alle blockiert. Ich liebe dich. Cheryl“
10:31:33 Uhr „Weiß nicht, ob dich das erreicht. ABSOLUT UNGLAUBLICH!!! Der zweite Turm ist gerade eingestürzt WEG nur noch eine Schuttwelle“
10:46:33 Uhr „Meine Güte, was passiert hier?“
10:48:50 Uhr „Oh, mein Gott, SCHON WIEDER! Liebling: Beide Türme des World Trade Center sind eingestürzt. Es gibt KEIN WORLD TRADE CENTER MEHR! Liebling, bleib wo du bist und in Sicherheit. Möge Gott uns beistehen! In Liebe, Mom“
10:47:46 Uhr „Wenn Du mich bitte anrufen und mich wissen lassen könntest, wohin du gehst. Ich bin am Ende. Ich liebe dich“
10:54:52 „C ALPHA HALTEN SIE SICH BEREIT FÜR MÖGLICHEN EINSATZ - ORT UNBEKANNT - PACKEN SIE UND SEIEN SIE BEREIT - SIE WERDEN BENACHRICHTIGT“
10:52:00 „Das ist soo fürchterlich. Ich habe solche Angst!!“
11:44:28 Uhr „Mein Vater hat überlebt! Ein Mitarbeiter meiner Stiefmutter hat mich angerufen und gesagt, mein Vater lebe, mehr Infos habe ich nicht. Ich weiß nicht, ob er verletzt ist oder nicht.“
12:48:30 Uhr „Bogen ist zusammengebrochen. Bin noch in meiner Wohnung, ich kann nirgends hingehen... Das ist das Ende der Welt, wie wir sie kennen...“
Kloeppel gehörte im deutschen Fernsehen am 11. September selbst zu den zentralen Figuren. Er moderierte pausenlos kurz nach den Anschlägen ab 15 Uhr bis zum späten Abend. Dafür erhielt er einen Spezial-Grimme-Preis - er wurde auch mit dem "Goldenen Gong" ausgezeichnet. Ob er in seiner journalistischen Karriere von den Anschlägen sogar profitiert hat? Den Begriff "profitieren" weist er weit von sich. "Aber ich habe gelernt, wie man als Journalist reagieren muss, wie man seine Kenntnisse einbringt, mit Ruhe und unter Ausschluss aller Emotionen", sagt der 52-Jährige.
Kloeppel kommentierte das Geschehen damals live
Kloeppel saß an jenem Dienstagmittag wie üblich im Büro, als ein Kollege ihn auf CNN-Bilder im Fernsehen aufmerksam machte - das erste Flugzeug war in einen der beiden Türme des World Trade Centers gerast. Als er in der Maske saß ("Das dauert normalerweise immer so fünf Minuten."), bohrte sich die zweite Maschine in den zweiten Turm. "Da wurde mir klar, dass es sich um eine konzertierte Aktion gehandelt haben muss." Dann sei sein Chef vom Dienst auf ihn zugekommen und habe gesagt, man müsse sofort auf Sendung gehen.
Grauen im Minutentakt: Eine Chronologie des 11. September
08.46 Uhr: Ein Flugzeug rast in den nördlichen der beiden Türme des World Trade Centers in New York. Augenzeugen glauben zunächst an ein Unglück.
09.03 Uhr: Ein zweiter Jet fliegt in den Südturm.
09.05 Uhr: US-Präsident George W. Bush wird beim Besuch einer Grundschule in Sarasota (Florida) informiert. Stabschef Andrew Card flüstert ihm zu: «Amerika wird angegriffen.»
09.30 Uhr: Bush spricht vor Kameras von einer «nationalen Tragödie». Es handele sich «offensichtlich» um eine Terrorattacke.
09.37 Uhr: Ein drittes Flugzeug rast in das Pentagon. Ein Teil des US-Verteidigungsministeriums wird dabei verwüstet. Das riesige Gebäude, das Weiße Haus, weitere Ministerien und das Kapitol werden evakuiert.
09.55 Uhr: Bush fliegt von Florida mit Ziel Washington ab, ändert aber den Kurs und landet auf der Air-Force-Basis Barksdale im Bundesstaat Louisiana. Von dort reist er nach Nebraska, später nach Washington.
09.59 Uhr: Der Südturm des World Trade Centers stürzt ein.
10.03 Uhr: Ein viertes Flugzeug stürzt südlich von Pittsburgh nach einem Kampf im Cockpit auf freiem Feld ab. Passagiere hatten sich gegen die Entführer zur Wehr gesetzt. Die Entführer wollten offenbar Kurs auf das Weiße Haus oder den US-Kongress nehmen.
10.28 Uhr: Der zweite, nördliche Zwillingsturm stürzt ein.
12.16 Uhr: Die Bundesflugbehörde meldet, dass der Luftraum der USA gesperrt ist. Nur Militär- und Rettungsmaschinen fliegen noch.
13.04 Uhr: Bush versichert in einer kurz zuvor aufgezeichneten Fernsehansprache, dass alle nötigen Sicherheitsvorkehrungen getroffen seien.
13.27 Uhr: In Washington wird der Notstand ausgerufen.
16:10 Uhr: Auch das Gebäude 7 des World Trade Centers steht in Flammen. Eine Stunde später bricht das 47-stöckige Haus zusammen.
20.30 Uhr: Der US-Präsident kündigt in einer Fernsehansprache an, die Täter gnadenlos zu verfolgen: «Wir werden keinen Unterschied machen zwischen denen, die diese Attacken ausgeführt haben, und denen, die ihnen Schutz bieten.»
Die Dokufilmer Stefan Lamby und Michael Wech haben den Film "Mein 11. September - Als der Anschlag die deutsche Bundesregierung traf" gedreht - er ist am Montag um 22.45 Uhr zu sehen. Zu den Protagonisten zählen unter anderem der damalige Außenminister Joschka Fischer und sein Kollege Otto Schily, damals Innenminister. Schily machte sich Sorgen um seine Tochter, die im World Trade Center arbeitete - telefonisch konnte er sie nicht erreichen. Erst später kam die erlösende Nachricht, dass ihr nichts passiert war. "Angst darf man als Innenminister nicht haben", erzählt Schily in dem Bericht. "Aber Sorgen darf man sich machen."
Auch Fischer sagt, Emotionen seien ja erlaubt, die Arbeit müsse dennoch geleistet werden. Er jettete in den Tagen danach zwischen Berlin und den USA hin und her. Die Beziehungen wurden angesichts eines drohenden Schlags gegen den Terror nicht unbedingt besser. Fischer sagt über den damaligen US-Vizepräsidenten Richard Cheney: "Uns beiden war klar, wir werden nicht Freunde in diesem Leben." dpa