Bei der Bus-Katastrophe in einem Schweizer Tunnel waren nach Einschätzung des ADAC einige Schüler womöglich nicht angeschnallt. Die hohe Zahl der Toten lasse das erahnen, sagte ADAC-Sprecher Andreas Hölzel am Mittwoch im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in München.
ADAC-Experte: Reisenden im hinteren Busabteil hätte ein Gurt möglicherweise das Leben gerettet
Für moderne Reisebusse gelte zwar eine EU-weite Gurtpflicht für Passagiere. "Dort, wo Gurte sind, sollen sie sich anschnallen, nur viele machen es einfach nicht." Oft sei das der Grund für die schlimmen Folgen eines Busunfalls. Der Fahrer müsse die Reisenden zwar über die Gurtpflicht informieren, könne aber nicht jedes Mal kontrollieren, ob sich alle daran hielten.
Die Front des Unglücksbusses im Schweizer Tunnel war eingedrückt. "Bei so starken Deformationen hilft dann auch der Gurt nichts mehr", sagte der Experte. Reisenden im hinteren Teil des Busses hätte ein Gurt aber möglicherweise das Leben retten können. "Das sind aber alles Spekulationen - man weiß nicht, wie viele angeschnallt waren." Busse seien eigentlich sehr sichere Verkehrsmittel. "Busunfälle passieren selten, aber wenn, dann sind sie meist sehr spektakulär."
Unfälle im Tunnel seien meist gravierender als anderswo
In dem Bus saßen Schulklassen aus Belgien. Mindestens 28 Menschen starben, darunter 22 Kinder. Wenn Busfahrer Kinder an Bord hätten, bräuchten sie gute Nerven, sagte der ADAC-Sprecher. "Kinder sind einfach lebhafte Fahrgäste, da wird auch oft Gaudi gemacht und es geht laut zu." Häufig dröhne noch Musik durch den Bus. Außerdem seien Kinder auf einer Reise oft besonders aufgekratzt.
Der ADAC habe den Schweizer Tunnel 2005 getestet und für gut befunden, sagte Hölzel. "Es ist ein moderner, breiter, gut beleuchteter Tunnel - insgesamt waren unsere Tester sehr zufrieden". Tunnel seien nicht besonders gefährlich - nur die Folgen eines Unfalls seien dort meist gravierender als anderswo, etwa wegen umherirrender Menschen, Rauchentwicklung und Folgeunfällen. "Dann wird ganz schnell aus einem kleinen Unfall ein Inferno." dpa