Donnerstag, 18. September 2014

08. November 2012 14:56 Uhr

Fernsehen

Abgeordnete im Dschungel

Eine britische Politikerin nimmt an der Ekel-Fernsehshow Dschungelcamp teil – und sorgt damit für Aufregung.

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Der Magier Vincent Raven flog 2012 nach Australien ins RTL-Dschungelcamp.
Foto: Frank Rumpenhorst/ dpa/ lhe

Knurren, höhnisch Gackern und Hüpfen für mehr Aufmerksamkeit: Wer sich im britischen Unterhaus durchsetzen will, schaut sich am besten ein paar Tricks bei wilden Tieren ab. Ob das auch umgedreht klappt, will jetzt eine Tory-Abgeordnete herausfinden: Nadine Dorries zieht am Sonntag ins britische TV-Dschungelcamp. Das Gebrüll in Westminster ist deshalb groß: Passen Politik und Känguru-Hoden zusammen?

Nadine Dorries liebt den Drahtseilakt _ und ist berühmt dafür, immer auf der falschen Seite abzustürzen. Premier David Cameron hat das erst kürzlich zu spüren bekommen, als die 55-Jährige ihn als „arroganten Oberschichten-Schnösel“ bezeichnete, der „nicht mal weiß, was ein Pint Milch im Supermarkt kostet“. Ungünstig, dass der Schnösel noch immer ihr Parteichef ist. Der reagierte blitzschnell, als Dorries diese Woche mit ihrem Umzug ins Dschungelcamp nach Australien die nächste Bombe platzen ließ: Die meinungsstarke Abgeordnete ist vorerst von ihrem Mandat suspendiert.

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Dass die Alphatiere in Westminster gerade sehr, sehr böse sind, dürfte Dorries indes kaum interessieren. Ab Sonntag hat sie an der Seite anderer mutiger Halb-Promis viel schlimmere Situationen zu meistern.

16 Millionen vor dem Fernseher

Die Show lockt regelmäßig zehn bis 16 Millionen Zuschauer vor die Bildschirme, indem sie, wie ihre deutsche Schwester-Sendung, die Kandidaten in Kakerlaken baden lässt oder ihnen zum Essen geröstete Vogelspinnen, rohe Fischaugen, Rattenpüree und Mäuseschwänze serviert.

„Der Politikeralltag ist dafür ein gutes Training“, bemerkte Dorries vor dem Abflug, „Westminster ist mit seinen taktischen Spielchen nichts anderes als ein Dschungel.“

Und was wäre dieser Londoner Urwald ohne fiese Schlangen? „Es ist immer traurig, wenn Politiker, oder Ex-Politiker, sich mit einem solchen TV-Format gemeinmachen“, zischt Parteikollegin Louise Mensch via Twitter. Die Amtswürde leide, jammern manche. Innenministerin Theresa May findet Dorries’ Abflug „einfach unverantwortlich“. Ihr Ekel-TV-Trip fällt zwar zum Teil in sitzungsfreie Wochen, doch die Menschen in ihrem Wahlkreis Mid-Bedfordshire zeigen sich da wenig verständnisvoll. Denn Außenkontakte sind ihr während der gesamten Dreharbeiten untersagt. Dafür will sie ihre provokanten, politischen Thesen in den nächsten Wochen aber am Lagerfeuer im Camp auftischen.

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Unsere Autoren von A bis Z
Jasmin Fischer

Augsburger Allgemeine
Ressort: Korrespondentin Ausland



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