Samstag, 2. August 2014

31. Juli 2010 11:11 Uhr

Trauerfeier in Duisburg

Abschied: "Loveparade wurde zum Totentanz"

In einer bewegenden Trauerfeier nahmen tausende Trauernde Abschied von den Toten der Loveparade-Tragödie.

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21 Kerzen für 21 Opfer und noch immer die Frage nach den Schuldigen: In einer bewegenden Trauerfeier haben Hinterbliebene, Rettungskräfte und Politiker für die Toten der Loveparade gebetet.

«Die Loveparade wurde zum Totentanz», sagte der amtierende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Nikolaus Schneider, bei der Gedenkfeier in der Duisburger Salvatorkirche. «Mitten hinein in ein Fest überbordender Lebensfreude hat der Tod uns allen sein schreckliches Gesicht gezeigt.»

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Bundespräsident Christian Wulff, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) waren unter den Gästen.

Vor einer Woche war es in Duisburg auf dem Technofestival Loveparade zu einer Massenpanik gekommen. Es gab auch mehr als 500 Verletzte.

Nur eine einzige Vertreterin der Politik ergriff das Wort. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) versprach am Samstag Aufklärung: «Wie konnte dies geschehen? Wer trägt die Schuld? Wer ist verantwortlich? Diese Fragen müssen und werden eine Antwort finden.» Angesichts der Todesumstände der Opfer sei es schwer, Worte zu finden. «Uns alle lässt das Geschehene nicht los. Es macht uns betroffen, hilflos und manche auch wütend.»

Mehr als 500 Menschen versammelten sich in der Kirche. Der umstrittene Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) nahm nicht teil, um die aufgebrachten Bürger nicht durch seine Anwesenheit zu provozieren. Auch Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller kam nicht.

Kraft sagte den Hinterbliebenen unbürokratische Hilfe zu. «Aber wir wissen auch, wir können Ihren Schmerz nicht ermessen und nicht lindern.» Viele Zeugen der Katastrophe seien traumatisiert «angesichts der Bilder, die sie für immer in sich tragen», sagte sie. «Ich kann nachempfinden, was Eltern, Großeltern, Geschwister und Freunde durchlitten haben, die stundenlang auf ein Lebenszeichen warten mussten.» Auch ihr Sohn hatte am Katastrophentag die Loveparade besucht. Kraft rang häufig um Fassung, am Ende wurde ihre Stimme brüchig.

Zu Beginn der Trauerfeier wurden eine Kerze und ein Kondolenzbuch von dem nahe gelegenen Unglücksort an einem Tunnel zum Altar gebracht. Rettungskräfte, Notfallseelsorger und andere Einsatzkräfte zündeten die 21 Kerzen an.

Der rheinische Präses Schneider sprach von «Trauer und Verzweiflung, Hilflosigkeit und Wut», die das Denken der Menschen beherrschten. Er erwähnte in seiner Predigt auch «Erwachsene, die wie versteinert Verantwortung von sich weg schieben.» Schneider weiter: «Wir können unsere Verstorbenen nicht mehr körperlich spüren. Wir können nicht mehr gemeinsam mit ihnen lachen und weinen, streiten und uns versöhnen. Aber wir tragen sie in unseren Herzen und in unseren Gedanken.»

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck sprach von einem Leid, das lange währen wird. «So gegensätzlich ist unser Leben: In dem einen Moment ist Party angesagt und im anderen Moment liegen wir hilflos am Boden», fuhr er fort. «Es bleibt schwer, mit dem zu leben, was geschehen ist. Und doch bleibt etwas und geht weiter, was auch der Name der »Loveparade» zum Ausdruck bringt: Love heißt Liebe.» Die Liebe sei stärker als der Tod und helfe durch die Schrecken dieser Tage.

Der ökumenische Gottesdienst wurde auch in weiteren Kirchen der Stadt übertragen. Die Öffentlichkeit konnte die Feier auch im Stadion des MSV Duisburg verfolgen. Jedoch herrschte nur geringer Andrang an den Übertragungsorten. dpa

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